Politik

Angst vor dauerhafter BesatzungNetanjahu weitet israelische Militärpräsenz im Südlibanon aus

16.04.2026, 13:07 Uhr
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Israel übernahm im vergangenen Monat bereits die Kontrolle im Süden des Libanons bis zum Fluss Litanei. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Der Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel läuft unvermindert weiter. Direkte Gespräche am Anfang der Woche bringen keine Ergebnisse. Der israelische Premier weist die Armee an, die Kontrollzone entlang der syrisch-libanesischen Grenze auszudehnen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lässt im Kampf gegen die libanesische Hisbollah-Miliz eine sogenannte "Sicherheitszone" im nördlichen Nachbarland ausdehnen. Die israelischen Streitkräfte haben eine entsprechende Anweisung erhalten, heißt es in einer Mitteilung seines Büros.

Die "Sicherheitszone" im Süden des Libanon solle auch ostwärts bis zu den Hängen des Berges Hermon erweitert werden, "damit wir unseren drusischen Brüdern in ihrer Notlage besser beistehen können", erklärte Netanjahu weiter. Die religiöse Minderheit der Drusen in Syrien sind Verbündete Israels. Das Bergmassiv des Hermon erstreckt sich entlang der syrisch-libanesischen Grenze. Im Süden endet es auf den von Israel annektierten Golanhöhen.

Parallel dazu führe man Verhandlungen mit dem Libanon. Das israelische Sicherheitskabinett hat laut Medien am Mittwochabend über eine Waffenruhe beraten. Die Sitzung sei aber ohne Beschluss beendet worden, schrieb "Axios"-Reporter Barak Ravid auf X. Am Mittwoch hatten sich Israels Militär und die Hisbollah erneut gegenseitig beschossen.

Smotrich fordert neue Grenze

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte im vergangenen Monat gesagt, Israel wolle bis auf Weiteres das Gebiet bis zum Litani-Fluss im Südlibanon kontrollieren. Der Fluss liegt etwa 30 Kilometer entfernt von der Grenze zu Israel. Im Libanon befürchtet man eine dauerhafte Besatzung des Gebiets.

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat eine Annexion des Südlibanons durch sein Land jedoch ausgeschlossen. Man werde so lange bleiben, bis der Beschuss Israels aus dem Libanon aufhöre und die Einwohner des israelischen Nordens sicher seien, sagte er. Eine dauerhafte Besatzung sei nicht geplant.

Er widersprach damit auch dem rechtsextremen israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich, der gefordert hatte, der Litani-Fluss im Süden des Libanon müsse Israels neue Grenze zum nördlichen Nachbarland darstellen. Auslöser der neuen israelischen Bodeneinsätze war erneuter Raketenbeschuss Nordisraels durch die Hisbollah. Die Miliz betont nun, sie wolle bis zu einem Abzug der israelischen Truppen weiterkämpfen.

Erste Gespräche seit Jahrzehnten

Erstmals seit Jahrzehnten waren am Dienstagabend in Washington israelische und libanesische Vertreter zu direkten Gesprächen auf politischer Ebene zusammengekommen. Die Verhandlungen mit dem Libanon verfolgten zwei zentrale Ziele, erklärte Netanjahu laut Angaben seines Büros: Die Entwaffnung der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz "und zweitens einen dauerhaften Frieden. Frieden durch Stärke." Die libanesische Regierung, die keine Partei im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist, will eine Waffenruhe und einen Abzug der israelischen Soldaten aus dem Süden des Libanons erreichen.

Quelle: ntv.de, raf/dpa

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