Politik

"Wäre ein gewaltiges Wagnis"Netanjahu wohl zu Alleingang im Iran bereit

10.06.2026, 07:43 Uhr
00:00 / 02:40
Eine-Rauchwolke-steigt-am-1-3-2026-nach-einer-Explosion-in-Teheran-auf-Die-USA-und-Israel-haben-am-Vortag-mit-den-Angriffen-auf-den-Iran-begonnen
Israel und der Iran hatten sich zuletzt wieder mit Angriffen überzogen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Zwischen US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu gibt es immer mehr Differenzen. Trump will unbedingt ein Abkommen mit dem Iran, ganz im Gegensatz zu Netanjahu. Einem Bericht zufolge ist dieser bereit, das Risiko eines Angriffs im Ernstfall allein zu tragen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist nach Angaben des Fernsehsenders i24News unter Umständen zu einem eigenständigen Militärschlag gegen den Iran ohne Unterstützung der USA bereit. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung und zitierte Netanjahu mit den Worten: "Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen - mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation." Israel wolle nicht, dass es so weit komme, wisse aber, dass es so weit kommen könne, sagte Netanjahu demnach.

US-Präsident Donald Trump hatte den israelischen Regierungschef zuvor vor einem Alleingang gewarnt. Die US-Regierung führt derzeit Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit Teheran, um den regionalen Konflikt diplomatisch beizulegen.

Vizepräsident JD Vance hatte Trumps Haltung bekräftigt, ein Abkommen mit dem Iran auch gegen Israels Widerstand durchzusetzen. Die Vereinigten Staaten und Israel hätten zwar gemeinsame Interessen, Washingtons Vorgehen gegenüber Teheran werde jedoch davon bestimmt, was Trump für das Beste für die USA halte, sagte Vance in einem Interview mit Fox News. Demnach würden die USA ein Abkommen auch dann durchsetzen, wenn Israel sich dagegen ausspreche.

Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X, ein signifikanter militärischer Schritt ohne amerikanische Unterstützung wäre ein strategisch gewaltiges Wagnis für Israels nationale Sicherheit und sollte daher nur in Betracht gezogen werden, wenn keine Alternativen bestehen. Citrinowicz wies auch auf die Konsequenzen hin, falls es ein Abkommen mit dem Iran gebe, das die US-Regierung als zentralen Erfolg betrachte. Dann könnte eine einseitige israelische Aktion gegen den Iran ohne Abstimmung mit Washington einen hohen Preis fordern - auch in den strategischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten.

Quelle: ntv.de, raf/dpa

IsraelIran-KriegBenjamin NetanjahuDonald TrumpUSAKriege und Konflikte