Politik

"20 Milliarden organisiert" Netanjahus Sohn schürt Korruptionsdebatte

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Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und sein Sohn Jair bei einem Besuch der Altstadt von Jerusalem im Jahr 2015.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der bereits in polizeiliche Ermittlungen verwickelte Ministerpräsident Israels steht erneut in der Kritik. Ein aufgezeichnetes Gespräch heizt bestehende Korruptionsvorwürfe gegen Netanjahu an. Der unfreiwillige Informant: Sein eigener Sohn Jair.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist wegen einer Tonaufnahme, in der sein Sohn betrunken über einen Erdgas-Deal seines Vaters mit einem reichen Geschäftsmann spricht, in Erklärungsnot. Der Fernsehsender Channel 2 sendete den Mitschnitt, der im Jahr 2015 vor einem Striptease-Club aufgenommen worden sein soll. Darin spricht der heute 26-jährige Jair Netanjahu mit dem Sohn von Kobi Maimon, der als Anteilseigner eines Unternehmens mit dem wichtigen Gasförderprojekt verknüpft ist.

In dem Gespräch geht es um Stripperinnen und Prostituierte - aber auch um einen Deal: "Mein Vater hat Deinem Vater 20 Milliarden organisiert, dann kannst Du mir ja wohl 400 Schekel geben", sagt Jair Netanjahu zu Nir Maimon. Offenbar bezieht sich der Sohn des Ministerpräsidenten auf einen Vertrag über die Ausbeutung des im Mittelmeer vor der Küste Israels entdecken Erdgasfeldes Tamar. Kobi Maimon ist einer der reichsten Geschäftsleute Israels. Er ist ein wichtiger Anteilseigner von Isramaco, einer der an dem Gasförderprojekt beteiligten Firmen.

Alkohol lockerte Jairs Zunge

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Beim "Marsch der Schande" im Dezember 2017 gingen Menschen auf die Straße, um gegen die Korruption zu protestieren.

(Foto: picture alliance / Eliyahu Kamis)

Laut Channel 2 fand die Unterhaltung der angetrunkenen jungen Männer in einem Auto statt, in dem neben einem Fahrer und einem Leibwächter auch Roman Abramow saß, ein Mitarbeiter des australischen Milliardärs James Packer.

Jair Netanjahu entschuldigte sich am Dienstag für seine Äußerungen und versicherte, er habe "unter Alkoholeinfluss" Witze gemacht und sich herablassend über Frauen geäußert. "Diese Äußerungen stehen nicht dafür, wer ich bin oder nach welchen Werten ich erzogen wurde", erklärte er. "Was ich über das Gas-Abkommen gesagt habe, war ein Scherz. Jeder, der ein wenig gesunden Menschenverstand hat, versteht das richtig."

Kritiker werfen Netanjahu vor, bei den Verträgen über die Nutzung des Offshore-Gasfeldes bestimmte Unternehmen bevorzugt zu haben. Die israelische Polizei ermittelt bereits gegen den israelischen Ministerpräsidenten wegen Korruptionsvorwürfen in zwei weiteren Fällen. Der Vorsitzende der oppositionellen Arbeitspartei, Avraham Gabbay, sagte, dass die Tonaufnahme "ein weiterer Makel auf dem korrupten Gas-Deal" sei.

Der Sohn ist kein unbeschriebenes Blatt

Jair Netanjahu war in der Vergangenheit schon mehrmals negativ aufgefallen. Er befindet sich in einem Rechtsstreit mit einer linksorientierten Organisation, die er im Internet als radikal und anti-zionistisch angegriffen hatte. Die Tonaufnahme löste zudem auch Kritik an der Nutzung der staatlichen Sicherheitsdienste aus, weil ein Sicherheitsbeamter den Sohn des Regierungschefs offensichtlich zu einem Striptease-Club begleitet hatte. Die Kritik, dass Jair Netanjahu auf Kosten der Steuerzahler mit Personenschützer und Fahrer unterwegs ist, exisitiert schon länger.

Netanjahus Büro erklärte, es werde in die Entscheidungen über die Schutzmaßnahmen der Sicherheitsdienste für die Kinder des Regierungschefs nicht einbezogen. Die Familie des Ministerpräsidenten verurteilte die Veröffentlichung des Mitschnitts als "Teil einer Hexenjagd gegen die Familie", die ein neues Tief erreicht habe.

Netanjahu selbst steht schon länger wegen seiner Kontakte zu reichen Persönlichkeiten in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, etwa vom Australier Packer und von dem Hollywood-Produzenten Arnon Milchan illegal Geschenke angenommen zu haben.

Quelle: ntv.de, ftö/afp/dpa