Politik

Gewalt durch VorgesetzteNeue Ermittlungen gegen Fallschirmjäger aus Zweibrücken

08.01.2026, 17:01 Uhr
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Seit Februar 2025 häufen sich die Vorwürfe gegen Soldaten aus dem Fallschirmjägerregiment 26. (Foto: IMAGO/Björn Trotzki)

Rechtsextremismus, sexualisiertes Fehlverhalten und Drogenmissbrauch: Zu diesen Vorwürfen gegen Fallschirmjäger der Bundeswehr kommen neue Anschuldigungen hinzu. Es geht unter anderem um Gewalt bei der Nahkampfausbildung.

Die Missstände beim Fallschirmjägerregiment 26 der Bundeswehr im rheinland-pfälzischen Zweibrücken sind offenbar noch größer als bislang bekannt. Wie das Magazin "Spiegel" berichtet, wird gegen den Chef einer Kompanie ermittelt, weil er eine teilgeladene Pistole aus drei Metern Entfernung auf die Gesichter zweier Soldaten gerichtet haben soll.

In einer Kompanie am Standort Merzig (Saarland) musste laut internen Berichten der Truppe ein Soldat nach der Nahkampfausbildung im Krankenhaus notoperiert werden. Zwei Ausbilder sollen "entgegen der einschlägigen Vorschrift wiederholte Schläge in den Genitalbereich und auf den Kopf angewiesen haben", ohne dass der Soldat seine Deckung hochnehmen durfte, heißt es.

Ende Dezember waren mutmaßliche Fälle von Rechtsextremismus, sexualisiertem Fehlverhalten und Drogenmissbrauch beim Fallschirmjägerregiment 26 publik geworden. Die Bundeswehr hatte deswegen bereits Soldaten entlassen und weitere Konsequenzen angekündigt. Dem "Spiegel" zufolge führt die Truppe mittlerweile eine Liste mit 55 Beschuldigten. In den Berichten des Heeres sei von einem "toxischen inneren Gefüge" in einer der elf Kompanien des Regiments die Rede, die neuen Vorwürfe beträfen jedoch andere Kompanien.

Wehrbeauftragter dringt auf Studie

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp, kritisiert die Informationspolitik von Verteidigungsminister Boris Pistorius: "Angesichts des Umfangs und der Tragweite der Vorwürfe wäre es wünschenswert gewesen, dass der Deutsche Bundestag früher und umfassender durch das Bundesverteidigungsministerium informiert und einbezogen worden wären", sagt er dem Magazin.

"Wir müssen auch darüber reden, warum Soldatinnen und Soldaten oft davor zurückscheuen, Fehlverhalten von Kameraden oder Vorgesetzten zu melden." Man müsse darüber nachdenken, "wie wir es Soldatinnen und Soldaten erleichtern können, Vorfälle zur Kenntnis zu bringen, ohne dass sie persönliche Nachteile fürchten müssen".

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte, mahnt, nun schnell eine Dunkelfeldstudie fertigzustellen, die Ausmaß und Folgen sexualisierten Fehlverhaltens in der Bundeswehr untersuchen soll.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch mehrere Soldatinnen, die sich im Februar 2025 an die Gleichstellungsvertrauensfrau des Regiments gewandt hatten. Im Zentrum standen zunächst Vorwürfe von sexualisiertem Fehlverhalten, bevor sich die Ermittlungen ausweiteten. Das Fallschirmjägerregiment 26 umfasst rund 1700 Soldatinnen und Soldaten. Die Kompanien sind auf die Standorte Zweibrücken und Merzig aufgeteilt.

Quelle: ntv.de, dsc/lme/dpa

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