Politik

Sommer beerbt Cordt Neuer Bamf-Chef wirbt um Vertrauen

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Horst Seehofer stellte den Bamf-Chef Hans-Eckard Sommer (links) in Berlin vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf ihn wartet nach Ansicht von Innenminister Seehofer eine "Herkulesaufgabe": Der neue Leiter des Bundesflüchtlingsamts, Hans-Eckhard Sommer, muss die Fehler der Vergangenheit ausmerzen. Dabei kann der Jurist auf seine Erfahrungen aus Bayern setzen.

Er muss nicht nur das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) aus den Schlagzeilen holen, sondern die Megabehörde gleichzeitig auf Reformkurs bringen: Auf den neuen Bamf-Chef Hans-Eckhard Sommer wartet eine "Herkulesaufgabe", wie Innenminister Horst Seehofer in Berlin deutlich machte. Vor allem der Skandal um Rechtsfehler bei Asylbescheiden in der Bremer Außenstelle erschütterte das Vertrauen in die Behörde grundlegend.

Dieses Vertrauen will Sommer wiederherstellen. "Ich habe niemals zu denen gehört, die die Schuld immer beim Bamf gesucht haben", kündigte er bei seiner öffentlichen Vorstellung durch Seehofer an. Die Behörde werde derzeit zu Unrecht "pauschal in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt". Er wolle, dass die Mitarbeiter der Behörde "wieder stolz auf ihre Arbeit und ihr Amt sein können".

Dabei strebt Sommer schnelle Asylverfahren an. "Wir werden selbstverständlich an kurzen Asylverfahrenszeiten festhalten müssen", sagte Sommer. Eine Entscheidung solle in der Regel binnen drei Monaten fallen. Eine gute Qualität der Verfahren sei dennoch wichtig. "Ich meine, wir werden beides zusammenbekommen." Kritiker monieren, das überlastete Amt habe in der Flüchtlingskrise Schnelligkeit über Qualität gesetzt.

Sommer soll nach Seehofers Angaben ab Donnerstag die neue Funktion ausüben. Damit endet dann auch die Amtszeit der bisherigen Präsidentin Jutta Cordt, deren Abzug das Innenministerium in der Vorwoche bekannt gegeben hatte. Cordt solle als Beamtin neue Aufgaben übernehmen, über die noch nicht entschieden sei, sagte Seehofer. "Es gibt Situationen im Leben, wo Sie einen Neustart brauchen, damit wieder Vertrauen hergestellt wird", betonte er.

Sommer gilt als "harter Hund"

Der 56-jährige Jurist kommt aus dem nordrhein-westfälischen Münster und arbeitete rund 21 Jahre lang für das bayerische Innenministerium. Zwischendurch war er vier Jahre lang für eine Aufgabe bei der CSU beurlaubt. 2015 versuchte er einen Ausflug in die Kommunalpolitik und bewarb sich auf den Posten des Landrats im Landkreis Ravensburg. Nachdem ihm offenbar parteiintern bedeutet wurde, dass er wenige Chancen habe, zog er seine Kandidatur kurz vor der Wahl zurück.

Als früherem Verwaltungsrichter sei ihm das Asyl- und Ausländerrecht seit langem vertraut, erklärte Sommer. Die Berufung an die Bamf-Spitze bedeutet für ihn einen großen Karrieresprung. Dem Magazin "Focus" zufolge gilt er in Fachkreisen als "harter Hund". Der Jurist plädiert demnach unter anderem dafür, Asylbewerber stärker als bisher auf terroristische Kontakte hin zu überprüfen und schneller auszuweisen.

Dass das Bamf trotz der Unterbesetzung des Amts in der Flüchtlingskrise nicht zusammengebrochen sei, sei eine große Leistung des damaligen Bamf-Chefs Frank-Jürgen Weise, sagte Sommer. Er sehe es als eine seiner ersten Aufgaben, auf die Mitarbeiter der Behörde zuzugehen. Im Bamf gibt es viel Unmut auch mit dem Führungsstil der früheren Leiter Weise und Cordt.

Sommers "allerwichtigste Aufgabe wird sein, dass er das Personal des Bamf zusammenführt und motiviert", sagte Seehofer. Die Behörde brauche motivierte Mitarbeiter, die sich als Familie verstünden. In der Flüchtlingskrise war das Amt mit der Bearbeitung einer sprunghaft gestiegenen Zahl von Asylanträgen überfordert und musste zahlreiche neue Mitarbeiter einstellen. Seehofer stellte sich erneut vor die Behörde und sagte, er habe inzwischen das Einverständnis von Bundesfinanzminister Olaf Scholz für die Entfristung von mehr als 3000 befristeten Stellen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP