Politik

Täglich grüßt der Strache Nobelpreisträger Handke pöbelt weiter

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Eine Entschuldigung vorweg: Ja, wir müssen schon wieder über Heinz-Christian Strache reden. Der Ex-Vizekanzler ist und bleibt der Schlagzeilen-Garant der Wiener Innenpolitik. Heute wird er wahrscheinlich aus der FPÖ ausgeschlossen, das Auffanglager ist schon gegründet: die Allianz für Österreich, kurz DAÖ. Geht nicht so leicht von den Lippen, man muss sich die drei Buchstaben wohl trotzdem merken.

Was das alles für Strache und für die Ex-Regierungspartei FPÖ bedeutet, erklärt die aktuelle Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: In der Nobel-Woche kocht der Streit um Peter Handke wieder hoch und der Literaturnobelpreisträger pöbelt kräftig mit.

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Knittelfeld: Chiffre für eine Spaltung in der FPÖ

"Schräger geht es nimmer", sagte der FPÖ-Schattenvorsitzende Herbert Kickl unter der Woche. Gemünzt war der Kommentar auf Heinz-Christian Straches "Angebot", die Wiener FPÖ zu übernehmen. Kickls Verdikt passt aber auch zur Gesamtsituation der Freiheitlichen Partei. Nur mal zur Erinnerung: Vor sieben Monaten saßen die Rechtsaußen noch in der Regierung und auf Umfragewerten von rund 26 Prozent, Heinz-Christian Strache war Vizekanzler und Lichtgestalt der Partei.

Nun sitzen die Freiheitlichen auf der harten Oppositionsbank, abgerauscht auf 16 Prozent in den Ibiza-Neuwahlen, und Heinz-Christian Strache wird wohl am heutigen Freitag endgültig aus der Partei ausgeschlossen. Oder endlich, wie viele Weggefährten sagen werden. Zu sehr hat er der Partei geschadet mit Ibiza, Spesen-Skandalen und Abspaltungs-Gelüsten.

Die Gerüchte um eine Strache-Liste haben nun Gestalt angenommen: Drei Landtagsabgeordnete der Wiener FPÖ haben am Donnerstag ihren Austritt bekannt gegeben - und gleich "Die Allianz für Österreich" gegründet, wahrscheinlich die Trägerrakete für die "Liste HC". Es sieht so aus, als würde Strache, der seine Politkarriere für beendet erklärt hat, kurz vor Weihnachten wiederauferstehen.

Während Strache selbst noch schweigt, verspottet sein Nachfolger als FPÖ-Chef die Sektierer als "Bündnis Zukunft Ibiza". Ein Verweis auf die Parteihistorie: Übervater Jörg Haider hatte sich 2005 mit seinem "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ) abgespalten, eine Spätfolge des berühmten Parteitags in Knittelfeld 2002.

Dort hatte Haider, der aus seiner Heimat Kärnten ständig in die Regierungskoalition seiner FPÖ mit der ÖVP hereinpfuschte, die eigenen Minister gedemütigt und die Führung weggeputscht. Die ÖVP erkannte die Gunst der Stunde und rief Neuwahlen aus, die Chaos-FPÖ verlor dramatisch. Seit diesen Tagen wird sofort "Knittelfeld" geraunt, sobald sich eine tiefe Krise der Freiheitlichen anbahnt.

Von einem neuen "Knittelfeld" will Hofer aber trotz der "DAÖ" nichts wissen, im Gegenteil: Die FPÖ sei einen "Rucksack los". Aber gehen damit nicht auch die Wähler verloren, die Strache die Treue halten? Spätestens bei den Wien-Wahlen in einem Jahr wird sich das zeigen.

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"Mir ist ein anonymer Brief auf Toilettenpapier lieber als Ihre ignoranten Fragen" - Peter Handke, Literaturnobelpreisträger 2019.

Da saß Peter Handke nun in seinem Frack, den er furchtbar fand ("Da kann ich mich ja gleich in den Sarg legen damit", soll er laut "Standard" gesagt haben), und hielt sein Manuskript in der Hand, von dem so mancher erwartet haben wird, dass es Sprengstoff birgt (das Manuskript der Rede finden Sie hier). Aber er las nur Geschichten vor, dafür wurde Handke ja auch ausgezeichnet an diesem Dienstag in Stockholm, für seine Geschichten, die ihm den Literaturnobelpreis 2019 eingetragen haben.

Selten wurde seit der Verkündung des Preisträgers Anfang November über Handkes Literatur geredet, diese rund 11.000 Seiten Gesamtwerk, die nur wenige Menschen in voller Gänze gelesen haben dürften, oft aber ging es um die Sicht des Autors auf den Jugoslawienkrieg. Handke hatte nicht nur das Nato-Bombardement von Belgrad kritisiert, was legitim ist, er suchte nicht nur "Gerechtigkeit für Serbien", wie er ein Buch nannte, er sprach auch 2006 auf der Beerdigung von Slobodan Milosevic, der während des Prozesses wegen Völkermords in Den Haag verstorben war. Opferorganisationen werfen ihm vor, das Massaker von Srebrenica zu leugnen - in Interviews und in seinen Werken.

Die "Mütter von Srebrenica" protestierten in dieser Woche in Stockholm, während Handke mal wieder wenig unternahm, um sich eindeutig zu positionieren. Stattdessen führte er seinen Kleinkrieg mit Journalisten auf schwedischem Boden weiter. In Österreich hatte er Interviews mit dem ORF und zuletzt mit der Nachrichtenagentur APA abgebrochen, mit den Worten "Ich will Sie in Stockholm nicht sehen". Bei einer Pressekonferenz in Stockholm griff er einen Journalisten an, der zu Kriegszeiten in Bosnien war. Er habe viel Post erhalten, erklärte Handke, darunter auch einen anonymen Brief auf Toilettenpapier, mit einer "Kalligrafie aus Scheiße". Die würde er den Fragen des Reporters vorziehen.

Der "Standard" kommentierte es so: "Handke soll seinen Nobelpreis haben. Die literarische Qualität vieler seiner Bücher ( ... ) rechtfertigt den Preis. Man soll Handke nur nicht politisch ernst nehmen ( ... ). Er hat angesichts dieser Tragödie schlicht menschlich und intellektuell versagt."

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++ Prestigeprojekt der Regierung Kurz I gekippt: Der Verfassungsgerichtshof hat am Mittwoch weite Teile des sogenannten "Sicherheitspakets" kassiert. Das Gesetz von ÖVP und FPÖ sah unter anderem einen Bundestrojaner und eine automatische Auswertung von Videodaten von Autobahnen vor. ++ Abschiebestopp für Asylbewerber in Lehre: Wer sich in Ausbildung befindet, ist künftig bis zur Abschlussprüfung vor Abschiebungen geschützt. Das beschloss der Nationalrat mit allen Stimmen außer denen der FPÖ. Die Regelung garantiert keinen Aufenthaltstitel für die Zeit nach der Lehre. ++ Weniger Mitarbeiter, mehr Gewinn: Red Bull hat laut Jahresabschluss 2018 einen Nettogewinn von 741 Millionen Euro erzielt. Firmenboss Dietrich Mateschitz, der 49 Prozent der Anteile hält, streicht rund 182 Millionen Euro ein. Ein Grund für die guten Zahlen: Am Stammsitz Salzburg mussten mehr als 100 Mitarbeiter gehen, 40 Prozent der Belegschaft. ++ Was lange währt, wird endlich Fusion: Der steirische Sensorenhersteller AMS hat eine Mehrheit der Osram-Aktionäre überzeugt und den Münchner Konzern für rund 4,6 Milliarden Euro übernommen. Den Mitarbeitern sicherte AMS ein Kündigungs-Moratorium bis 2022 zu. ++

Fast schon traditionell an dieser Stelle ein Tipp für lange Winterabende auf der Couch: In der vergangenen Woche haben wir uns mit den dunklen Gestalten beschäftigt, die in den "Rauhnächten" durch Österreich ziehen - die Perchten und Krampusse in ihren grausigen Masken. Rund um diese Tradition bastelte "Sky" 2018 die Krimiserie "Der Pass", in der eine deutsche Kommissarin (Julia Jentsch) und ihr österreichischer Kollege (grandios als verdrogter Sonderling: Nicholas Ofczarek) einen Mörder jagen. Seit dem 1. Advent zeigt das ZDF die acht Episoden, in der Mediathek können Sie auch einfach alle Folgen hintereinander wegbingen.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de