Politik

"Iran war der Weckruf"Nordkorea will bei Anschlag auf Kim Atomwaffen einsetzen

11.05.2026, 14:46 Uhr
260508-PYONGYANG-May-8-2026-Xinhua-This-photo-provided-by-the-Korean-Central-News-Agency-KCNA-shows-Kim-Jong-Un-general-secretary-of-the-Workers-Party-of-Korea-and-president-of-the-State-Affairs-of-the-Democratic-People-s-Republic-of-Korea-DPRK-visiting-a-major-munitions-enterprise-on-May-6-2026-The-top-leader-of-the-DPRK-inspected-the-production-of-new-type-self-propelled-gun-howitzers-to-be-deployed-at-the-country-s-southern-border-this-year-during-a-visit-to-a-major-munitions-enterprise-on-Wednesday-the-official-Korean-Central-News-Agency-KCNA-reported-Friday
Machthaber Kim Jong Un beim Besuch einer Rüstungsfabrik, in der angeblich Panzerhaubitzen hergestellt werden. (Foto: picture alliance / Xinhua News Agency)

Israel und den USA gelingt gleich zu Anfang des Iran-Kriegs ein tödlicher Schlag gegen den obersten Führer des Landes. Das schreckt offenbar auch Nordkorea auf. Falls nun Diktator Kim ein ähnliches Schicksal ereilen würde, hält Pjöngjang wohl einen genauen Vergeltungsplan bereit.

Nordkorea hat in einer überarbeiteten Verfassung sein Militär verpflichtet, einen atomaren Vergeltungsschlag auszuführen, falls Machthaber Kim Jong-un von einem ausländischen Gegner ermordet wird. Das berichtet die britische Tageszeitung "The Telegraph" unter Berufung auf Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes (NIS). Demnach erfolgte die Änderung, nachdem Irans oberster Führer Ayatollah Ali Chamenei und viele seiner engsten Berater bei Angriffen zu Beginn der gemeinsamen US-israelischen Angriffe gegen das Mullah-Regime getötet worden waren.

Die Neufassung wurde offenbar im März in der ersten Sitzung der 15. Obersten Volksversammlung in Pjöngjang verabschiedet. Öffentlich bekannt wurde sie am Donnerstag in einer Unterrichtung hochrangiger Mitglieder der südkoreanischen Regierung durch den NIS. Laut dem Briefing des südkoreanischen Geheimdienstes hat Kim das Kommando über die nordkoreanischen Atomstreitkräfte, jedoch legen die Änderungen nun ein Verfahren für Vergeltungsangriffe fest, falls er handlungsunfähig ist oder getötet wird.

Der überarbeitete Artikel 3 des Nuklearpolitikgesetzes lautet demnach: "Wenn das Führungs- und Kontrollsystem über die Nuklearstreitkräfte des Staates durch Angriffe feindlicher Streitkräfte gefährdet ist, ... wird automatisch und unverzüglich ein Nuklearschlag eingeleitet."

Dieses Verfahren könne in Nordkorea laut einem Experten bereits vorher gängige Praxis gewesen sein. Es habe jetzt aber durch die Verankerung in der Verfassung an Bedeutung gewonnen, sagt laut "Telegraph" Andrei Lankow, ein in Russland geborener Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der Kookmin-Universität in Seoul. "Der Iran war der Weckruf. Nordkorea hat die bemerkenswerte Effizienz der US-israelischen Enthauptungsangriffe gesehen, die den größten Teil der iranischen Führung umgehend eliminierten, und sie müssen jetzt entsetzt sein", führt Lankow weiter aus.

Ein Angriff, der darauf abzielt, Kim und seinen engsten Kreis zu eliminieren, wäre jedoch weitaus schwieriger durchzuführen als die Angriffe im Iran. Nordkoreas Grenzen sind praktisch abgeriegelt, und die wenigen ausländischen Diplomaten, Helfer und Geschäftsleute aus "befreundeten" Nationen, die ins Land einreisen, werden streng überwacht. Dadurch sei die für den Erfolg des Iran-Angriffs so wichtige menschliche Aufklärung in der Praxis fast unmöglich zu erlangen, erklärt der Professor.

Furcht vor Satellitentechnologie

Wegen der begrenzten Videoüberwachung und des streng kontrollierten Intranets in Nordkorea könne zudem die Taktik des israelischen Geheimdienstes dort nicht angewendet werden, den Aufenthaltsort der Führung für einen Anschlag ausfindig zu machen. Die größte Befürchtung der Nordkoreaner seien hingegen Informationen aus der Satellitentechnologie, sagt Lankow.

Der Experte glaubt, dass Offiziere, die mit der Durchführung eines nuklearen Vergeltungsschlags beauftragt werden, diesen auch ausführen würden, da das Militär der Führung loyal gesinnt sei und jeden Angriff auf die Nation als existenzielle Bedrohung ansehe. "Ich sehe keine Wahrscheinlichkeit für einen Angriff aus Südkorea, daher würde sich jede Vergeltung gegen die Vereinigten Staaten richten", fügt Lankow hinzu.

Hauptgegner Südkorea

Trotz der Friedensbemühungen Südkoreas hat Nordkorea seinen Nachbarn wiederholt als seinen Hauptgegner bezeichnet. In der überarbeiteten Verfassung wurden von Pjöngjang alle Klauseln gestrichen, die auf eine Wiedervereinigung mit Seoul abzielen. Zudem plant Nordkorea laut staatlichen Medienberichten die Stationierung einer neuen Artillerie entlang seiner südlichen Grenze. Mit den "neuartigen 155-Millimeter-Panzerhaubitzen" könnte die südkoreanische Hauptstadt in Reichweite geraten.

Diktator Kim besuchte in der vergangenen Woche eine Munitionsfabrik, um sich über die Produktion der "neuartigen 155-Millimeter-Selbstfahrlafette" zu informieren, wie die offizielle koreanische Zentrale Nachrichtenagentur (KCNA) berichtete. "Die Haubitze wird bedeutende Veränderungen und Vorteile für die Bodenoperationen unseres Militärs mit sich bringen", zitierte KCNA den nordkoreanischen Machthaber.

Reichert Nordkorea Uran an?

Nordkorea selbst verfügt Experten zufolge über Dutzende nukleare Sprengköpfe. Das Land behauptet, es benötige Atomwaffen zur Abschreckung gegen eine angebliche militärische Bedrohung durch die USA und mit ihnen verbündete Staaten. 2006 hatte Pjöngjang seinen ersten Atomtest ausgeführt.

Der südkoreanische Vereinigungsminister Chung Dong-young hatte im März im Parlament in Seoul gesagt, dass Nordkorea verdächtigt werde, in der im Norden des Landes gelegenen Kusong-Region eine Anlage zur Urananreicherung zu betreiben. Angereichertes Uran ist für den Betrieb von Atomkraftwerken und den Bau von Atombomben nötig.

Nord- und Südkorea befinden sich technisch gesehen immer noch im Kriegszustand. Ihr Konflikt von 1950 bis 1953 endete mit einem Waffenstillstand, nicht mit einem Friedensvertrag.

Quelle: ntv.de, gut

SüdkoreaAtomwaffenNordkoreaUSA