Politik

Bürgerdialog mit Zwischenfall Scholz hält 9-Euro-Ticket für "eine der besten Ideen"

Finanzminister Lindner bleibt dabei: Eine Verlängerung des Neun-Euro-Tickets wird es nicht geben. Kanzler Scholz sieht das anders. Beim Tag der offenen Tür im Kanzleramt kündigt er Gespräche über eine Nachfolgeregelung des Tickets an. Bei dem Bürgerdialog sorgen zwei Aktivistinnen für Aufruhr.

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat Forderungen nach einer Verlängerung des Neun-Euro-Tickets erneut zurückgewiesen. "Das würde 14 Milliarden Euro kosten", sagte Lindner im "Bericht aus Berlin" des ARD-Hauptstadtstudios. Dieses Geld würde andernorts für die Bildung oder für Investitionen in das Schienennetz fehlen. Die Idee eines kostenfreien Öffentlichen Nahverkehrs "ist nicht finanzierbar". Aus Lindners Sicht wäre das auch "nicht nachhaltig" und würde am Ende "auch nicht zu ökologisch verantwortbaren Entscheidungen" führen.

Bundeskanzler Olaf Scholz nannte das Neun-Euro-Ticket hingegen einen "großen Erfolg". "Es war eine der besten Ideen, die wir hatten", sagte der SPD-Politiker am Tag der offenen Tür im Kanzleramt. Das Ticket sei gut angenommen worden und habe vor allem gezeigt, wo Schwierigkeiten und Defizite im Öffentlichen Nahverkehr lägen.

Der Kanzler kündigte zudem Gespräche über eine Nachfolgeregelung des günstigen Tickets an. Demnach werde Verkehrsminister Volker Wissing gemeinsam mit den 16 Bundesländern prüfen, wie die "Bequemlichkeit, Benutzbarkeit, vielleicht auch die Bezahlbarkeit" im Öffentlichen Nahverkehr besser geregelt werden könne.

"Oben-ohne"-Demonstrantinnen überraschen Scholz

Die Frauen gaben an, ein Selfie mit dem Kanzler machen zu wollen. Dann zogen sie ihre T-Shirts aus.

Die Frauen gaben an, ein Selfie mit dem Kanzler machen zu wollen. Dann zogen sie ihre T-Shirts aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Rundgang des Kanzlers im Garten des Kanzleramtes während des Bürgerdialogs verlief jedoch nicht ohne einen Zwischenfall. Zwei Demonstrantinnen stellten sich mit dem Wunsch nach einem Selfie neben Scholz, zogen dann aber ihre Oberteile aus, wodurch Forderungen nach einem Gas-Embargo gegen Russland sichtbar wurden. "Gas-Embargo now", hatten die beiden Frauen jeweils auf ihre nackte Brust geschrieben. Sie wurden umgehend von Sicherheitsleuten abgedrängt.

Die Bundesregierung lehnt ein Gasembargo gegen Russland bislang mit der Begründung ab, dass eine sichere Energieversorgung sonst nicht zu gewährleisten sei. Allerdings hat Russland seinerseits die Lieferungen inzwischen stark reduziert. Bei einem Bürgergespräch verwies Scholz zudem auf alternative Importwege unter anderem durch neue Flüssiggasterminals, von denen "wir hoffen können, dass wir Anfang des nächsten Jahres die ersten in Betrieb nehmen können und weitere im Laufe des Jahres. "Dann haben wir unser Problem der Versorgungssicherheit irgendwann Anfang 2024 gelöst", sagte der Kanzler weiter.

(Dieser Artikel wurde am Sonntag, 21. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, spl/rts/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen