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Eskalation im Kaschmirkonflikt Pakistan deutet militärischen Gegenschlag an

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Patriotische Begeisterung: In Indien stößt der Luftschlag jenseits der Grenze auf breite Zustimmung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der seit Jahren schwelende Kaschmirkonflikt droht in offene Gewalt umzuschlagen: Wenige Stunden nach einem Angriff der indischen Luftwaffe spricht Pakistans Premier von einer klaren "Aggression". Noch unklar ist, wie genau die pakistanische Antwort ausfallen wird.

Pakistans Ministerpräsident Imran Khan hat seine Landsleute und die pakistanischen Streitkräfte nach dem indischen Luftschlag dazu aufgerufen, auf alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein. In der am Morgen angesetzten Dringlichkeitssitzung sei das Nationale Sicherheitskomitee zu dem Schluss gekommen, dass Indien eine "ungerechtfertigte Aggression" begangen habe, teilte das Büro des Premiers mit.

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Ungelöster Konflikt: In der Kaschmirregion kommt es nach dem Luftschlag zu gewalttätigen Protesten.

(Foto: dpa)

Pakistan werde zu einem Zeitpunkt und an einem Ort seiner Wahl reagieren, heißt es in der Erklärung weiter. Nähere Angaben liegen nicht vor. Offen ist damit noch, ob die pakistanische Regierung einen militärischen Gegenschlag oder andere Schritte plant.

Auslöser der jüngsten Eskalation im Kaschmirkonflikt ist ein Luftschlag, bei dem indische Kampfflugzeuge am frühen Morgen nach Angaben aus Neu-Delhi ein Terroristencamp auf pakistanischem Boden angegriffen hatten. Dabei sei "eine sehr große Anzahl" Angehöriger der islamistischen Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed (JeM) getötet worden, darunter auch einige Anführer, wie das indische Außenministerium mitteilte.

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Die seit Jahren in Indien aktive Gruppe JeM hatte den Autobomben-anschlag am 14. Februar im indischen Teil Kaschmirs für sich reklamiert, bei dem südlich von Srinagar 40 Angehörige einer paramilitärischen Polizeitruppe ums Leben gekommen waren. Es war der schwerste Angriff auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren. Bei dem Attentat starb auch der Selbstmordattentäter.

Indien vor der großen Wahl

Indien machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich und hatte eine "gebührende Antwort" angekündigt. In Teilen der indischen Öffentlichkeit wurde der Militärschlag mit Genugtuung aufgenommen. Die Regierung in Neu-Delhi sah sich nach dem Anschlag von Srinagar mit Forderungen von Hardlinern konfrontiert, in der Auseinandersetzung mit Pakistan keine Schwäche zu zeigen. Eine Rolle dürften dabei auch innenpolitische Erwägungen spielen: In Indien stehen in wenigen Wochen Parlamentswahlen an.

Welches Ziel der indische Luftschlag traf, ist noch unklar. Berichten zufolge sollen die Bomben in der Umgebung der Ortschaft Balakot rund 100 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad niedergegangen sein. Indischen Regierungskreisen zufolge wurden bei dem Luftschlag am Morgen bis zu 300 Kämpfer getötet.

Die pakistanische Regierung weist die Angaben Indiens zurück. Bei dem Vorfall sei demnach kein Terroristenlager angegriffen und den Islamisten auch keine schweren Verluste zugefügt worden. Die indische Regierung habe sich "wieder einmal einer eigennützigen, verwegenen und fiktiven Behauptung" bedient, hieß es stattdessen aus Islamabad.

Konflikt zwischen zwei Atommächten

Mit der militärischen Intervention Indiens in Pakistan droht Beobachtern zufolge eine gefährliche Spirale der Gewalt zwischen den beiden verfeindeten Atommächten. Durch den Einsatz von Kampfflugzeugen im Grenzgebiet steigt das Risiko von Fehleinschätzungen und Missverständnissen beträchtlich an. Islamabad etwa liegt nur wenige Flugminuten von der zwischen beiden Seiten umstrittenen Kaschmir-Region entfernt.

Mit Blick auf den indischen Luftangriff steht auch die Regierung in Pakistan unter öffentlichem Druck, in der Auseinandersetzung mit Indien nicht als schwach oder zu nachgiebig dazustehen. Um die Nation hinter sich zu versammeln, kündigte das Büro von Premier Khan eine gemeinsame Sitzung beider Parlamentskammern an. Khan habe zudem eine Sondersitzung der Nuklearen Kontrollbehörde angesetzt.

Indien wiederum beruft sich auf das Recht zur Selbstverteidigung. Knapp zwei Wochen nach dem schweren Anschlag bei Srinagar habe die islamistische JeM-Gruppe weitere Attentate geplant, wie das indische Außenministerium unter Berufung auf Geheimdienstinformationen mitteilte.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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