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UN: "Wir sind zutiefst besorgt" Pakistan droht Indien Gegenschlag an

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Am Tatort im Bezirk Pulwama, 25 Kilometer südlich von Srinagar: Der Anschlag auf indische Sicherheitskräfte im Bundesstaat Jammu und Kashmir riss 41 Menschen in den Tod.

(Foto: imago/Hindustan Times)

Zwei Terroranschläge bringen die Machtbalance im Mittleren Osten gefährlich ins Wanken: Der pakistanische Regierungschef warnt Indien vor einem Angriff auf sein Land. "Pakistan", heißt es, "wird Vergeltung üben". Im Westen droht der Iran mit einer eigenen Militäraktion.

Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan haben nach dem tödlichen Anschlag auf indische Sicherheitskräfte in der Kaschmir-Region ein bedrohliches Ausmaß erreicht. Pakistans Premierminister Imran Khan warnte Indien in einer landesweit ausgestrahlten TV-Ansprache vor einem Angriff auf sein Land. Pakistan werde "nicht nur über Vergeltung nachdenken", drohte Khan. "Pakistan wird Vergeltung üben." Zugleich sagte der Regierungschef, Pakistan sei bereit, mit Indien über Terrorismus zu sprechen.

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Umstrittene Region Kashmir im Grenzgebiet von Indien, Pakistan und China.

(Foto: n-tv.de)

Indiens Außenministerium wies Khans Äußerungen als "faule Ausrede" zurück und forderte "glaubwürdiges und sichtbares Handeln" von seinem deutlich kleineren Nachbarn. Khan hatte zuvor Hilfe bei den Ermittlungen angeboten - sobald Delhi "Beweise" für die Verwicklung Pakistans in den Kaschmir-Vorfall vorlege. Indiens Außenministerium forderte Pakistan im Gegenzug dazu auf, "die internationale Gemeinschaft nicht länger zu täuschen". Khan habe weder "diese abscheuliche Tat verurteilt, noch den trauernden Familien kondoliert", hieß es in einer Stellungnahme.

USA stellen sich hinter Indien

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief Indien und Pakistan dazu auf, sofort Schritte zur Entspannung des Konflikts einzuleiten. "Wir sind zutiefst besorgt über die zunehmenden Spannungen zwischen den beiden Ländern", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric. Beide Seiten sollten "maximale Zurückhaltung üben". Guterres habe beiden Seiten zudem angeboten, zu vermitteln, sagte Dujarric.

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Mahnwache für die getöteten indischen Sicherheitskräfte: In Indien fordert die Öffentlichkeit eine Reaktion.

(Foto: REUTERS)

Die USA stellten sich hinter Indien und forderte Pakistan zu "vollständiger Kooperation" auf. Das US-Außenministerium erklärte, es habe Indiens Regierung seinen "starken Beistand" im Kampf gegen "diesen Terrorismus" versprochen. "Wir drängen Pakistan dazu, bei den Ermittlungen zu diesem Anschlag vollständig zu kooperieren und jedweden Verantwortlichen zu bestrafen", sagte Ministeriumssprecher Robert Palladino. Washington habe bereits mit beiden Ländern über das Thema gesprochen.

In der unruhigen Kaschmir-Region waren bei einem Selbstmordattentat am vergangenen Donnerstag südlich von Srinagar 41 indische Sicherheitskräfte getötet worden. Es war der folgenreichste Anschlag auf Regierungstruppen im indischen Teil der Region seit drei Jahrzehnten. Die im Nachbarland Pakistan ansässige Islamistengruppe Jaish-e-Mohammed (JEM) beanspruchte die Tat für sich. Indien warf Pakistan vor, den Islamisten Unterschlupf zu gewähren.

500.000 Soldaten an der Grenze

Das indische Militär erklärte, der Anschlag sei von Pakistan geplant worden, insbesondere vom mächtigen Geheimdienst ISI. Der pakistanische Dienst steht seit Längerem unter Verdacht, enge Kontakte zu militanten Islamisten zu unterhalten und extremistische Bestrebungen in Nachbarländern wie Afghanistan oder auch Iran für eigene Interessen zu nutzen.

Wie die indische Armee weiter mitteilte, wurden bei Gefechten zwischen Soldaten und Rebellen in Kaschmir zu Wochenbeginn drei JEM-Mitglieder getötet, darunter der oberste Befehlshaber der Islamisten-Gruppierung in Kaschmir. Zudem seien vier Soldaten, ein Polizist und ein Zivilist während der Kampfhandlungen ums Leben gekommen.

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Indien hat in der unruhigen Kaschmir-Region Schätzungen zufolge rund 500.000 Soldaten stationiert. Seit einem Krieg 1947 ist die Region zwischen den beiden Atommächten Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten komplett beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere muslimische Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss der Region an Pakistan.

Iran droht eigene Intervention an

Das muslimisch geprägte Pakistan sieht sich unterdessen auch mit belasteten Beziehungen zu seinem westlichen Nachbarland Iran konfrontiert. Unabhängig von den blutigen Vorfällen in Kaschmir wirft die Führung in Teheran Pakistan vor, indirekt in einen Anschlag auf iranische Revolutionsgarden verwickelt zu sein. Bei dem Angriff hatte sich vergangene Woche ein Selbstmordattentäter in einem Bus inmitten von Revolutionsgardisten in die Luft gesprengt und dabei 27 Soldaten der Elite-Teilstreitkraft mit in den Tod gerissen.

Erkenntnissen iranischer Ermittler zufolge wurde der Anschlag von einem Pakistaner verübt. Der Selbstmordattentäter sei als ein Pakistaner namens Hafez Mohammad-Ali identifiziert worden, sagte General Mohammed Pakpur bei einer Gedenkfeier für die Opfer in Teheran. Eigentlich hätten die Attentäter am 40. Jahrestag der Islamischen Revolution am 11. Februar zuschlagen wollen, doch hätten die Vorkehrungen der Sicherheitskräfte dies verhindert.

Ziel des Anschlag war Bus der Revolutionsgarden in der südöstlichen Unruheprovinz Sistan und Belutschistan. Die Soldaten befanden sich auf dem Rückweg von einem Einsatz an der pakistanischen Grenze. Die Dschihadistengruppe Dschaisch al-Adl bekannte sich zu dem Angriff. Die Führung in Teheran warf Pakistan ausdrücklich vor, die Täter zu unterstützen.

Auch hier steht indirekt die Drohung eines Militärschlags im Raum: Wenn Islamabad nicht selbst gegen die Rückzugslager der Gruppe vorgehe, werde der Iran gezwungen sein, selbst in Pakistan zu intervenieren, hieß es. Am Wochenende hatte das iranische Außenministerium in dieser Sache die pakistanische Botschafterin einbestellt, um Pakistan zum Handeln zu drängen. Laut den Revolutionsgarden startete Pakistan daraufhin einen Einsatz gegen die "Terroristen" in der Grenzregion.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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