Politik

Kampfjets über Kaschmir Pakistan verurteilt indischen Luftangriff

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Konflikt zwischen zwei hochgerüsteten Staaten: Ein Kampfjet vom Typ SU-30 MKI der indischen Luftwaffe setzt zur Landung an (Archivbild).

(Foto: dpa)

Gefährliche Militäraktion im Grenzgebiet zwischen zwei verfeindeten Atommächten: In den frühen Morgenstunden greifen indische Kampfflugzeuge ein Terrorcamp auf pakistanischer Seite an. Abfangjäger steigen auf. Indien bestätigt einen Präventivschlag jenseits der Grenze.

Indien hat in Reaktion auf einen Terroranschlag auf indische Sicherheitskräfte in der Kaschmirregion das Lager einer Islamistenorganisation auf pakistanischem Boden angegriffen. Das pakistanische Militär protestierte scharf und warf der indischen Luftwaffe eine Verletzung des eigenen Luftraumes vor.

Gegen 4 Uhr morgens (Ortszeit, 6 Uhr MEZ) seien Flugzeuge über die De-facto-Grenze geflogen, teilte der pakistanische Armeesprecher Asif Ghafoor mit. Der Vorfall ereignete sich unweit der von beiden Seiten beanspruchten Kaschmir-Region. Bislang unbestätigten Angaben zufolge wurden Ziele nahe der nordpakistanischen Ortschaft Balakot, rund 45 Kilometer nördlich von Abottabad, angegriffen.

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Das indische Außenministerium wollte die Angaben nicht bestätigen. Indiens Außenminister Vijay Gokhale sprach bei einer Pressekonferenz am Morgen lediglich von einer "nicht-militärischen Präventivaktion". Ob die indische Luftwaffe daran beteiligt war, sagte er nicht. Bei dem Militärschlag am Morgen sei jedoch eine "sehr große Anzahl" islamistischer Kämpfer getötet worden, hieß es. Das indische Militär flog demnach tatsächlich Luftangriffe auf Ziele jenseits der Demarkationslinie in Pakistan.

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Aufgeheizte Stimmung in Indien: In den Straßen der westindischen Stadt Ahmedabad feiern patriotisch gesinnte Einwohner den Luftschlag.

(Foto: REUTERS)

Der Schlag habe einem Lager der Islamistengruppe Jaish-e-Mohammed (JEM) gegolten und aufgrund unmittelbar "drohender" Selbstmordanschläge erfolgt, wie es aus Neu-Delhi hieß. Der pakistanische Außenminister, Shah Mehsood Qureshi, sprach nach einer Sondersitzung im Außenministerium in Islamabad von einer Verletzung der De-facto-Grenze durch Indien. "Ich würde es eine schwerwiegende Aggression nennen", sagte er. "Pakistan behält sich das Recht auf Selbstverteidigung und eine angemessene Reaktion vor." Pakistans Ministerpräsident Imran Khan habe eine Dringlichkeitssitzung einberufen, sagte Qureshi weiter.

Luftschlag jenseits der Grenze

Anfliegenden Kampfjets aus Indien hatten am frühen Morgen auf pakistanischer Seite Luftalarm ausgelöst. Pakistanische Kampfflieger hätten "rechtzeitig und effektiv" darauf reagiert, hieß es aus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Dies hätte dazu geführt, dass die indischen Flieger sofort ihre "Nutzlast" abgeworfen hätten. Es habe keine Verluste oder Schäden gegeben, betonte das pakistanische Militär.

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Pressekonferenz in Neu-Delhi: Indiens Indiens Außenminister Vijay.

(Foto: REUTERS)

In Indien war dagegen von einem erfolgreichen Schlag gegen den Terrorismus die Rede. Bei dem Angriff seien "Terroristen, Ausbilder, hochrangige Befehlshaber" sowie potenzielle Selbstmordattentäter "eliminiert" worden, hieß es. Beobachter stuften die Militäraktion als Reaktion Indiens auf das verheerende Selbstmordattentat vom 14. Februar ein, bei dem 40 Inder ums Leben kam. Ziel des Anschlags bei Srinagar war eine Einheit der indischen paramilitärischen Polizeitruppe CRPF, die in der Kaschmirregion unter anderem auch gegen Separatisten zum Einsatz kommt.

Die aus Pakistan stammende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed (JEM), die sich für eine islamisch dominierte Kaschmirregion einsetzt, beanspruchte die Tat für sich. Es war der folgenreichste Anschlag auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren. Indien machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich und kündigte eine "gebührende Antwort" an. Die Regierung in Islamabad wies den Vorwurf zurück.

Gefahr in Verzug?

Indien rechtfertigt den Luftangriff jenseits des eigenen Territoriums mit der Abwehr einer akuten Gefahr. Es habe "glaubwürdige Informationen" über geplante Selbstmordattentate in mehreren Landesteilen gegeben, sagte der Vertreter des indischen Außenministeriums. Ein Präventivangriff sei "absolut notwendig" gewesen. Indiens Landwirtschaftsminister Gajendra Singh Shekhawat erklärte, ein "Terrorcamp" jenseits der Demarkationslinie in der Kaschmir-Region sei "vollständig zerstört" worden.

International löst der Militärschlag ernste Sorgen aus: Mit einem direkten Angriff jenseits der De-Facto-Grenze zwischen den zwei verfeindeten Atommächten erreicht der seit Jahrzehnten schwelende Kaschmirkonflikt eine neue Eskalationsstufe. Truppen beider Seiten stehen sich in der Region in stark ausgebauten Stellungen gegenüber. Allein Indien hat im Kaschmirtal rund 500.000 Soldaten stationiert.

Bislang beschränkten sich die Spannungen in der Region auf gelegentliche Gefechte und einem eher symbolischen Austausch von Artilleriegeschossen. Luftschläge gab es in seit vielen Jahren nicht mehr. Mit dem Einsatz indischer Kampfjets im pakistanischen Luftraum überschreitet das indische Militär auch politisch eine Grenze: Welche Formen eine offizielle Reaktion aus Pakistan annehmen könnte, ist noch unklar.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen beide Länder Kaschmir für sich. Sie kontrollieren jeweils einen Teil der im Norden nahe der chinesischen Grenze gelegenen Region. Die heutigen Nuklearmächte führten bereits zwei Kriege um das Kaschmirtal.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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