Politik

Protest-Blockade rund um GießenParteichefs steckten fest: AfD-Kongress startet mit zwei Stunden Verspätung

29.11.2025, 13:14 Uhr
Gruendung-der-AfD-Jugendorganisation-am-29-11
Die Polizei ist im Großeinsatz. (Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto)

In Gießen will die AfD ihre neue Jugendorganisation gründen. Doch das gestaltet sich schwierig: Zehntausende demonstrieren, die Zufahrtswege werden blockiert. Das bekommen auch Weidel und Chrupalla zu spüren.

Mit mehr als zwei Stunden Verspätung hat in Gießen der Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation begonnen. Wegen Straßenblockaden und Protesten waren viele der rund 1000 geplanten Teilnehmer nicht zur Messe durchgekommen. Auch die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla verspäteten sich. Der designierte Chef der neuen Jugendorganisation, Jean-Pascal Hohm, steckte ebenfalls lange fest. Viele der Plätze in der Halle waren auch zur Eröffnung der Veranstaltung noch leer.

Bei dem Kongress soll eine Nachfolgeorganisation für die aufgelöste Junge Alternative (JA) gegründet werden. Die AfD hatte sich von dem weitgehend eigenständigen Verein getrennt. Die Nachfolgeorganisation, die wahrscheinlich "Generation Deutschland" (GD) heißen wird, wird eine Gliederung der AfD. Damit verfolge die Partei drei Ziele, berichtet ntv-Reporter Tom Kollmar.

Mit der Auflösung der JA sei man einem Verbot zuvorgekommen. Dadurch, dass die GD künftig zur Parteiorganisation gehört, wäre ein Verbotsverfahren deutlich komplizierter. Zudem: GD-Mitglieder müssen in der Regel auch AfD-Mitglied sein. Dadurch bekommt die Mutterpartei entsprechend Durchgriff. Und: Die neue Parteijugend soll zudem als eine Art Kaderschmiede funktionieren und "Parteifunktionäre der Zukunft ausbilden", erklärt Kollmar.

Mehrere Leichtverletzte

Seit den Morgenstunden ist das Treffen von massiven Protesten begleitet. Tausende Menschen fanden sich zu Demozügen ein, im Tagesverlauf wurden rund 50.000 Demonstranten aus ganz Deutschland erwartet. Sehr viele protestierten friedlich. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot und Beamten aus zahlreichen Bundesländern vor Ort, auch weil vorab Gewaltaufrufe aus der linken Szene kursierten.

An einer Blockade hätten sich Beamte mit Pfefferspray gegen Steinewerfer verteidigt, ein Polizist sei leicht verletzt worden, teilten die Beamten weiter mit. Im Stadtteil Lützellinden beschädigten Protestierende geparkte Fahrzeuge und Straßenlaternen. An einem Verkehrskreisel in der Stadt blockierte ein Bus mit daran angeketteten Aktivisten den Weg. Die Beamten begannen eine Blockade von 2000 Personen auf der Bundesstraße 49 zu räumen und setzte nach eigener Aussage auch Wasserwerfer ein, "nachdem die Gruppe auf die mündliche Aufforderung, die Straße freizumachen, nicht reagiert hat". Zudem sei es auf der Konrad-Adenauer-Brücke in der Stadt zu Flaschenwürfen auf die Einsatzkräfte gekommen. Im benachbarten Lahnau-Atzbach hätten Personen aus einer Straßenblockade heraus Fahrzeuge angehalten und beschädigt, berichtete die Polizei.

Insgesamt haben nach Angaben des Uniklinikums bislang zehn Leichtverletzte das Krankenhaus aufgesucht. Sie seien eigenständig zu Fuß gekommen, "unfallchirurgisch versorgt worden" und wieder gegangen, teilte ein Kliniksprecher mit. Es seien etwa Verletzungen an Händen und Beinen gewesen. Die Polizei sprach mittags zudem von bisher "mehreren leicht verletzten" Einsatzkräften in ihren Reihen.

Der Kliniksprecher sagte: "Es sind auch zwei Schulen zur Erstversorgung eingerichtet worden." Laut dem hierfür zuständigen Landkreis Gießen kamen hier bis zum Mittag noch keine Verletzten. Im Uniklinikum läuft laut dem Sprecher der normale Betrieb auch mit Notfallbehandlungen etwa bei Herzinfarkten und Schlaganfällen weiter, Rettungswege würden von der Polizei freigehalten.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

DemonstrationenAfDPolizeiProtesteHessen