Politik

Umstrittene Südstaaten-Denkmäler Pelosi will Statuen aus Kapitol verbannen

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Mit diesen elf Statuen werde "dem Hass gehuldigt", sagt Pelosi.

(Foto: AP)

Der US-Kongress in Washington beherbergt eine Sammlung von Statuen berühmter Amerikaner. Darunter auch Abbilder von Sklavereibefürwortern aus den Südstaaten. Im Zuge der aktuellen Anti-Rassismus-Debatte fordert Top-Demokratin Nancy Pelosi nun erneut die Entfernung der Denkmäler.

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat die Entfernung von Denkmälern von Führungsfiguren der US-Südstaaten aus dem Sitz des Kongresses gefordert. Mit diesen elf Statuen werde "dem Hass gehuldigt", schrieb die Anführerin der oppositionellen Demokraten an einen parteiübergreifenden Ausschuss. Die mit diesen Denkmälern geehrten Männer seien für "Grausamkeit und Barbarei" eingetreten.

Im Washingtoner Kapitol stehen Denkmäler von Persönlichkeiten, die im 19. Jahrhundert für den Erhalt der Sklaverei eingetreten waren und deswegen die Südstaaten vom Norden der USA abspalten wollten. Diese Bestrebungen führten zum Bürgerkrieg von 1861 bis 1865, in dem die Südstaaten unterlagen.

In den Hallen des Kongresses stehen unter anderem Statuen von Jefferson Davis, dem Präsidenten der abtrünnigen Konförderierten Staaten von Amerika und seines Stellvertreters Alexander Stephens. Auch ein Denkmal des Generals Robert E. Lee, der die Südstaaten-Truppen angeführt hatte, steht dort.

Das Thema des Umgangs mit dem Erbe von Sklaverei und Bürgerkrieg hat durch die Anti-Rassismus-Proteste der vergangenen Wochen verschärfte Brisanz gewonnen. Die Proteste waren durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz entfacht worden.

Präsident Donald Trump erteilte einer möglichen Umbenennung von nach Südstaaten-Generälen benannten Militärbasen eine kategorische Absage. Die Stützpunkte seien Teil des "großartigen amerikanischen Erbes", schrieb er auf Twitter. "Deswegen wird meine Regierung eine Umbenennung dieser wunderbaren und legendären militärischen Einrichtungen nicht einmal in Erwägung ziehen."

Zehn Stützpunkte der US-Armee sind nach Generälen der Südstaaten benannt. Der pensionierte General David Petraeus hatte diese Woche gefordert, sie umzubenennen. Die Südstaaten-Generäle könnten in der heutigen Zeit nicht mehr als "Quelle der Inspiration" dienen. Das Verteidigungsministerium zeigte sich grundsätzlich offen für die Diskussion.

In der Stadt Boston wurde eine Statue von Christoph Kolumbus enthauptet, wie die Polizei mitteilte. Der Seefahrer aus Genua gilt als "Entdecker" des amerikanischen Kontinents. Kritiker argumentieren aber, Kolumbus habe der Kolonialisierung und Tötung zahlloser Ureinwohner den Weg bereitet.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP