Politik

Bundesregierung plant Erhöhung Pendlerpauschale nutzt fast nur Autofahrern

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Die Bundesregierung will die Pendlerpauschale erhöhen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im Rahmen des Klimapakets will die Bundesregierung Arbeitnehmer mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale entlasten. Laut eines Berichtes profitieren von dem Vorstoß aber hauptsächlich Autofahrer. Demnach nutzen vier von fünf Fernpendlern das Auto für ihren Weg zur Arbeit.

Von der geplanten Erhöhung der Pendlerpauschale profitieren fast ausschließlich Autofahrer. Das berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach nutzen mehr als vier Fünftel der Fernpendler mit einem Arbeitsweg von mehr als 20 Kilometern einen Pkw. Unter den Pendlern seien die Autofahrer (67,7 Prozent) in der großen Mehrheit. Bei weiten Entfernungen zum Arbeitsplatz steige ihr Anteil stark an. Betrage die Strecke zwischen 25 und 50 Kilometer, führen 84,3 Prozent der Pendler mit dem Auto. Liege der Arbeitsplatz noch weiter entfernt, läge ihr Anteil bei 78,7 Prozent, berichtet das Magazin.

Die dem "Spiegel" vorliegenden Zahlen stammen nach eigenen Angaben aus dem Jahr 2016 und gehen aus dem Mikrozensus hervor, für den die amtlichen Statistiker Tausende Haushalte befragt hatten.

Grüne üben Kritik an Pendlerpauschale

Die Erhöhung der Pendlerpauschale hatte die große Koalition vergangene Woche im Klimapaket verankert. Im Gegenzug für Bepreisung von CO2, die dem Staat Milliarden Mehreinnahmen bringt, soll unter anderem die Pendlerpauschale steigen. Pro Entfernungskilometer sollen demnach 35 statt 30 Cent von der Steuer abgesetzt werden können - aber erst ab dem 21. Kilometer und befristet bis Ende 2026. Bei den Grünen stößt der Vorschlag auf Kritik. Gut verdienende Pendler würden steuerlich mehr entlastet als belastet, sagte Grünen-Chef Robert Habeck. "Und sie schafft keinen neuen Bahnhof, keine zusätzliche Zugverbindung, keinen verlässlicheren Takt, um vom ländlichen Raum bequem zur Arbeit zu kommen."

Anhand der Daten, die dem "Spiegel" vorliegen, lasse sich abschätzen, wer von der höheren Entfernungspauschale profitiere: Demnach fahren rund 19 Prozent aller Pendler mehr als 25 Kilometer zur Arbeit. Unterscheide man nach Verkehrsmittel, so fahren 15,7 Prozent aller Pendler mit dem Auto mehr als 25 Kilometer zur Arbeit. Nur 3,3 Prozent fahren mehr als 25 Kilometer mit einem anderen Verkehrsmittel. Der Anteil der Pendler, die die erhöhte Pauschale erhalten würden, läge ein wenig über diesen Werten. Der Mikrozensus stuft die Entfernung aber lediglich mit den Kategorien "10 bis 25 Kilometer" beziehungsweise "25 bis 50 Kilometer" ab. Die Werte sagen also nichts über die Anzahl der Pendler aus, deren Weg zwischen 21 und 24 Kilometer liegt.

SPD will Zuwendungen für Geringverdiener

Unterdessen hat die SPD angekündigt, die Anhebung der Pendlerpauschale auszuweiten, um Geringverdiener stärker davon profitieren zu lassen. Dafür solle die Pendlerpauschale durch einen staatlich finanzierten Klimabonus ergänzt werden, sagte der SPD-Haushaltspolitiker Johannes Kahrs der "Zeit". Es sei wichtig, dass das Klimapaket "sozial gerecht ausgestaltet" werde.

Mit dem Vorschlag reagiert Kahrs auf den Umstand, dass die Pendlerpauschale im Kern eine Steuererleichterung bedeutet: Wer viel pendeln muss, zahlt weniger Steuern. Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen zahlen aber häufig keine Steuern und bekommen damit auch nichts erstattet. Nach Kahrs' Vorstellungen sollen die Geringverdiener ebenfalls staatliche Zuwendungen erhalten. Dafür müsste zusätzliches Geld im Haushalt bereitgestellt werden.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP