Festnahme in WarschauPolen enttarnt in Verteidigungsministerium mutmaßlichen Spion für Russland

Polen wirft Russland verschiedene Arten der hybriden Kriegsführung vor. Nun wird ein außergewöhnlicher Fall bekannt. Ein langjähriger Angehöriger des Militärs soll im sensiblen Bereich des polnischen Verteidigungsministeriums für Moskau spioniert haben.
Wegen mutmaßlicher Spionage ist ein langjähriger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Warschau festgenommen worden. Das Ministerium bestätigte die Festnahme. Vermutlich habe der 60-Jährige für Russland spioniert, schrieb das Nachrichtenportal "Onet" unter Berufung auf eigene Quellen im Militär.
Der Verdächtige habe seit den 1990er Jahren auf Posten der mittleren Führungsebene in der Strategie- und Planungsabteilung gearbeitet. Der mutmaßliche Agent sei durch die militärische Spionageabwehr enttarnt worden, an der Festnahme seien Militärpolizei und Staatsanwaltschaft beteiligt gewesen, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.
Einen solch außergewöhnlichen Fall im sensiblen Bereich des Verteidigungsministeriums habe es seit Jahren nicht gegeben, zitierte "Onet" seine Gesprächspartner. Weitere Festnahmen seien nicht ausgeschlossen.
Für russische Geheimdienste ist Polen als östlicher Nato-Partner und Drehscheibe der Militärhilfe für die Ukraine von besonderem Interesse. Die Regierung in Warschau schreibt Moskau verschiedene Arten einer hybriden Kriegsführung zu: Spionage, Sabotage, das Eindringen von Drohnen in den polnischen Luftraum, das gezielte Einschleusen von Migranten.
Attentatspläne gegen Selenskyj
Ein 50-jähriger polnischer Ex-Soldat wurde jetzt wegen Spionage für Russland zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt, wie der Stab des Geheimdienstkoordinators mitteilte. Der Mann war im April 2024 festgenommen worden, weil er den Flughafen Rzeszow in Ostpolen auskundschaftete.
"Diese Informationen sollten zur Planung eines Attentats auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beitragen", schrieb Sprecher Jacek Dobrzynski bei X. Der gut 70 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Flughafen ist Ausgangspunkt für Rüstungslieferungen und für Politikerbesuche Richtung Ukraine. Selenskyj reist bei Auslandsbesuchen üblicherweise mit der Bahn aus Kiew an und steigt in Rzeszow in das ukrainische Regierungsflugzeug.