"Ernst nehmen"Polen fordert von Deutschland schnelle Entschädigung für Besatzungsopfer

Warschau unternimmt einen neuen Versuch, um Deutschland zu Zahlungen für Überlebende des Zweiten Weltkrieges zu bewegen. In der Vergangenheit war Polen damit nicht erfolgreich. Es geht unter anderem um Opfer aus Konzentrationslagern.
Bei seinem Besuch in Berlin hat der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski die Bundesregierung zur raschen Entschädigung der wenigen noch lebenden Opfer der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg in Polen aufgefordert. Polen erwarte eine "Wiedergutmachung im moralischen Sinne und auch im materiellen Sinne", sagte Sikorski in seiner Rede beim Deutsch-Polnischen Forum im Auswärtigen Amt. "Die Bundesrepublik Deutschland sollte das ernst nehmen und sollte diese Herausforderung wirklich schnell angehen."
"Die letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges sterben gerade", sagte der polnische Außenminister. "Da gibt es Menschen, die besonders gelitten haben unter der deutschen Besatzung: Opfer von Konzentrationslagern, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter", sagte er. "Wir dürfen auch die historischen Fragen nicht vergessen."
Die Bundesregierung ist der seit Jahren von Polen vorgetragenen Forderung nach Entschädigungszahlungen bislang nicht nachgekommen. Berlin sieht das Thema als erledigt an, da die damalige Volksrepublik Polen 1953 vertraglich auf alle weiteren Forderungen verzichtete.
Bundesaußenminister Johann Wadephul war in seiner Rede zur Eröffnung des Forums nicht auf diese Forderung eingegangen. Auch in der von beiden Ministern unterzeichneten Erklärung zum 35. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrags wird der Punkt nicht erwähnt.