Politik

Pöbelnde Menge an Heim bei Dresden Polizei drängt Asylgegner mit Reizgas zurück

250 Flüchtlinge wollen in der vergangenen Nacht in ein Flüchtlingsheim bei Dresden einziehen - eine pöbelnde, mit rechten Störern durchsetzte Menge will das verhindern. Die Polizei setzt Reizgas ein.

Erst ein rigoroses Vorgehen der Polizei mit Reizgas gegen teils rechtsradikale Störer hat in Heidenau bei Dresden den Einzug von Asylsuchenden in eine provisorische Unterkunft in einem früheren Baumarkt ermöglicht. Kurz vor 1 Uhr erreichte ein erster Bus mit Asylsuchenden das Gebäude, in dem noch in der Nacht etwa 250 Flüchtlinge untergebracht werden sollten. Zuvor hatten Einsatzkräfte der Polizei eine Straßenblockade auf der Bundesstraße 172 aufgelöst, mit der Störer einen Einzug von Asylbewerbern in das Gebäude verhindern wollten.

Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden mitteilte, bewarfen die Störer die Beamten mit Steinen, Flaschen und Böllern. Mehrere Beamte und Störer seien verletzt worden. Angaben zu Festnahmen lagen zunächst nicht vor.

Am frühen Abend hatten zunächst mehrere hundert Menschen friedlich gegen die Aufnahme von Asylbewerbern in Heidenau demonstriert. Zu dem Marsch hatte die rechtsextreme NPD aufgerufen. Im Anschluss daran blockierten Dutzende Demonstranten die Bundesstraße vor dem früheren Baumarktgebäude. Auf den beiden jeweils knapp 3000 Quadratmeter großen Etagen des Baumarkt-Gebäudes sollen künftig bis zu 600 Menschen unterkommen.

Bierflaschen in der Hand

Den Einzug der ersten Flüchtlinge beobachteten auch nach dem Polizeieinsatz noch gut 200 Menschen. Viele in der pöbelnden Menge hatten nach Schilderung von Reportern Bierflaschen in der Hand und schienen mehr oder weniger angetrunken. Bevor der erste Bus anrollte, musste ein Kehrfahrzeug die mit Glasscherben und Unrat übersäte Bundesstraße säubern.

Nach Aussagen der Landespolizei soll auf dem Gelände des Baumarktes ein Wachdienst für Ordnung und Sicherheit sorgen. Außerhalb werde das Terrain von der Polizei überwacht.
Sachsens Behörden suchen derzeit ebenso wie andere Bundesländer händeringend nach Unterkunftsmöglichkeiten für Asylsuchende, weil bis Jahresende noch etwa 25.000 Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und Asylbewerber aus anderen Staaten erwartet werden. Bis Ende Juli waren bereits 15.000 Betroffene registriert und damit mehr als im gesamten Jahr 2014.

Die Asylbewerber, die in Heidenau unterkommen, müssen in der nächsten Woche noch ein- oder zweimal nach Chemnitz fahren. In der dortigen zentralen Erstaufnahme findet die medizinische Erstuntersuchung statt. Außerdem hat dort das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seine sächsische Niederlassung, die die Asylanträge entgegennimmt. Ab September soll dies auch im Dresdner Zeltlager möglich sein.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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