Politik

Demo in Istanbul unterbunden Polizei hindert "Samstagsmütter" an Protest

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Die Istanbuler Polizei ging zum Teil rabiat gegen die Demonstranten vor.

(Foto: REUTERS)

Sie gehen seit mehr als 20 Jahren friedlich auf die Straße und erinnern an ihre festgenommenen und verschleppten Angehörigen. Doch nun löst die türkische Polizei den Protest der sogenannten "Samstagsmütter" gewaltsam auf.

Die Istanbuler Polizei hat gewaltsam eine Demonstration der sogenannten "Samstagsmütter" aufgelöst, die Aufklärung über den Verbleib ihrer vor Jahrzehnten verschwundenen Angehörigen verlangen. Die Beamten setzten Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, die sich zum 700. Mal zu ihrer wöchentlichen Protestkundgebung versammelt hatten.

Nach türkischen Medienberichten wurden mindestens 23 Teilnehmer der friedlichen Sitzblockade festgenommen. Unter ihnen sei eine 82-jährige langjährige Teilnehmerin der Versammlungen. Bei dem Einsatz sei auch Tränengas versprüht worden, berichtete die Zeitung "Cumhuriyet". Die Behörden teilten zur Begründung mit, die Demonstration dürfe wegen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nicht stattfinden. Zudem sei sie nicht angemeldet worden.

Die Samstagsmütter wollen auf das Schicksal Angehöriger aufmerksam machen, die in den 80er und 90er Jahren festgenommen wurden und seither verschwunden sind. Damals begann im Südosten des Landes auch der bewaffnete Kampf der PKK gegen die türkische Regierung. Aktivisten werfen der Regierung vor, den Verbleib der Verschwundenen nie untersucht zu haben.

Seit Mai 1995 gehen die türkischen Frauen und ihre Unterstützer daher regelmäßig friedlich auf die Straße. Zwischen 1999 und 2009 mussten sie ihre wöchentlichen Demonstrationen aussetzen, da die Polizei die Versammlungen regelmäßig auflöste. Am Samstag griff die Polizei erstmals seit Jahren wieder ein.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/dpa

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