Politik

Studentenprotest in Istanbul Polizei nimmt 159 Menschen fest

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Zunächst nahm die Polizei Menschen außerhalb des Campus fest, später drang sie aufs Universitätsgelände vor.

(Foto: REUTERS)

Der türkische Präsident Erdogan versucht seinen Einfluss an den Hochschulen auszubauen. Die traditionell eher linke Istanbuler Bogazici-Universität hat nun einen Direktor von Erdogans Gnaden. Polizisten dringen auf den Campus vor, um gegen Protestierende vorzugehen.

Bei Protesten von Studierenden an der renommierten Bogazici-Universität in Istanbul sind erneut zahlreiche Menschen festgenommen worden. Studentenvertreter sprachen am Montagnachmittag von mindestens 30 Festnahmen außerhalb des Campus der Universität. Später drangen Polizisten auf das Hochschulgelände vor und nahmen weitere Studenten in Gewahrsam. Am Abend teilte das Amt des Gouverneurs von Istanbul mit, es habe 159 Festnahmen gegeben.

Auf Twitter werden Videos geteilt, die zeigen, wie Sicherheitskräfte mit großer Härte gegen die Demonstranten auf dem Campus vorgehen. Die Polizei sperrte die Gegend um die Universität großräumig ab und hinderte die Studenten nach deren Angaben daran, den Campus zu verlassen und eine Presseerklärung zu verlesen. Die Studenten hatten zu dem Protest aufgerufen, nachdem am Sonntag zwei Studierende in Zusammenhang mit einem umstrittenen Kunstwerk verhaftet worden waren.

Die Studierenden der Bogazici-Universität protestieren seit Anfang Januar gegen den neuen Direktor Melih Bulu. Er steht der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP nahe und wurde von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzt. In früheren Jahren waren die türkischen Universitätsrektoren hochschulintern gewählt worden, doch nach dem Putsch-Versuch von 2016 sicherte sich Erdogan den Zugriff auf die Hochschulen. An der Bogazici-Universität, an der die Veranstaltungen auf Englisch abgehalten werden, hat sich über die Jahre eine stark linksgerichtete Studentengemeinde versammelt.

Bild mit LGBTQ*-Flaggen provoziert

In Rahmen ihrer Proteste hatten die Studenten auch eine Ausstellung auf dem Campus organisiert, auf der unter anderem das umstrittene Bild ausgestellt wurde. Darauf ist eine Szene rund um das muslimische Heiligtum in Saudi-Arabien, die Kabaa, zu sehen: Die Kabaa ist fast vollständig von einem mythischen Wesen verdeckt. Den Rand des Bildes zieren LGBTQ*-Flaggen. LGBTQ* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und queere Menschen - und das Pluszeichen als Platzhalter für weitere Identitäten.

Das Bild wurde unter anderem von der islamischen Gruppe der Studentinnen und Studenten der Bogazici-Universität als beleidigend kritisiert. Der Anwalt der Studierenden, Levent Piskin, sagte, den verhafteten Studenten sei zunächst "Herabwürdigung religiöser Werte", später dann aber "Aufwiegelung des Volkes zu Hass und Feindschaft" vorgeworfen worden. Nach Ansicht des Juristen liegt "überhaupt keine Straftat" vor.

Präsident Erdogan warf der LGBTQ*-Bewegung hingegen "Vandalismus" vor. "Wir werden unsere Jugend in die Zukunft führen, nicht als LGBT*-Jugend, sondern als die Jugend, wie sie in der glorreichen Vergangenheit unseres Landes existierte", sagte der Präsident in einer Fernsehansprache an Jungmitglieder seiner Regierungspartei AKP.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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