Politik

700 Festnahmen in einer Nacht Polizei schlägt Protest in Belarus nieder

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Tausende Menschen wurden nach offiziellen Angaben bereits in Polizeigewahrsam genommen.

(Foto: REUTERS)

Wie viele Demonstranten bei den andauernden Protesten in Belarus bislang festgenommen wurden, ist unklar. Nach offiziellen Angaben des Regimes sind es bereits an die 7000. Die Mutter eines kürzlich in Gewahrsam gestorbenen Mannes macht der Polizei schwere Vorwürfe.

Bei den Protesten in Belarus gegen Wahlfälschung unter Präsident Alexander Lukaschenko sind bis zum Morgen insgesamt fast 7000 Menschen festgenommen worden. Allein in der vergangenen Nacht habe es etwa 700 Festnahmen gegeben, teilte das Innenministerium in Minsk im Nachrichtenkanal Telegram mit. In den Nächten zuvor hatten die Sicherheitskräfte noch deutlich mehr Menschen in Gewahrsam genommen. Die Uniformierten gingen dabei teils äußerst brutal gegen friedliche Demonstranten vor und schlugen auf sie ein.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben des Innenministeriums nicht. Wie viele Demonstranten mittlerweile wieder freigelassen wurden, ist nicht bekannt. Vor den Gefängnissen forderten Angehörige immer wieder die Freilassung von Festgenommenen. Nach Angaben der Behörden wurden seit Beginn der Proteste mehr als 100 Sicherheitskräfte verletzt. 28 von ihnen seien ins Krankenhaus gekommen. Neue Zahlen zu verletzten Demonstranten liegen bislang nicht vor. Nach früheren Angaben wurden mindestens 250 Menschen in dem zwischen Russland und EU-Mitglied Polen gelegenen Land verletzt.

Bei den Protesten wurden bereits zwei Menschen getötet. Am Mittwoch hatten die Behörden den Tod eines 25-Jährigen nach seiner Festnahme in der Stadt Gomel vermeldet. Dazu erklärte ein Untersuchungskomitee, der junge Mann sei am Sonntag bei einer "nicht genehmigten" Demonstration festgenommen und zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. In der Haft sei es ihm dann "plötzlich schlechter" gegangen.

Nach Angaben des Senders Radio Free Europe/Radio Liberty sagte hingegen die Mutter des Verstorbenen, ihr Sohn habe Herzprobleme gehabt und sei stundenlang in einem Polizeiwagen festgehalten worden. Ihr Sohn habe auch nicht an den Protesten teilgenommen, sondern sei auf dem Weg zu seiner Freundin gewesen, als er von der Polizei aufgegriffen worden sei. Am Montag war bereits ein Demonstrant in Minsk zu Tode gekommen - nach Angaben der Regierung, weil ein Sprengsatz in seinen Händen explodierte.

Sicherheitskräfte feuern auf Demonstranten

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Die Polizei hat eingeräumt, in der Stadt Brest nahe der Grenze zu Polen am Dienstag mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen zu haben. Mindestens ein Mensch wurde dabei laut Innenministerium verletzt. Die Polizei rechtfertigte den Einsatz scharfer Munition damit, dass die Demonstranten mit Metallstangen bewaffnet gewesen seien und Warnschüsse ignoriert hätten.

Die Proteste dauern seit der Präsidentenwahl am Sonntag an. Dem amtlichen Wahlergebnis zufolge hatte der seit 26 Jahren mit harter Hand regierende Lukaschenko mehr als 80 Prozent der Stimmen geholt. Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja, die bei ihren Wahlkampf-Auftritten großen Zulauf hatte und nach der Wahl nach Litauen flüchten musste, soll demnach nur auf rund zehn Prozent gekommen sein. An dem offiziellen Wahlergebnis gibt es nicht nur bei den Protestierenden, sondern auch in der EU erhebliche Zweifel.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP