Politik

Proteste auf Lesbos Polizei setzt Tränengas gegen Flüchtlinge ein

1ed197c338f1723761eb319fc07f5413.jpg

Die Demonstranten wollen nicht mehr zurück in ein Lager und wünschen sich Hilfe von der EU.

(Foto: REUTERS)

Auf Lesbos sind nach dem Brand in dem Flüchtlingslager Moria Tausende Migranten obdachlos. Neue Zelte sollen die Situation verbessern, ein Transfer auf das Festland oder gar in andere EU-Länder soll es jedoch nur für die wenigsten geben. Verzweifelte Menschen protestieren, die Polizei greift hart ein.

Auf der griechischen Insel Lesbos hat die Polizei Tränengas gegen eine Gruppe von Migranten eingesetzt, die nach dem Brand des Lagers Moria gegen ihre verzweifelte Lage protestierten. Die Spannungen brachen am Samstag aus, als Hunderte Migranten auf einer Straße zum Hafen von Mytilene marschierten und "Freiheit" sowie "Kein Lager" skandierten. Die Polizei hat den Zugang abgeriegelt.

Einige Demonstranten hielten handgeschriebene Plakate hoch, auf denen stand "Wir wollen nicht zurück in eine Hölle wie Moria" und "Können Sie uns hören, Frau Merkel?" Vor fünf Jahren hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die deutschen Grenzen für viele Tausende Flüchtlinge geöffnet. Viele EU-Länder nahmen wie die Bundesrepublik Flüchtlinge auf, einige lehnen das aber bis heute ab.

"Wir schlafen im Dreck oder auf der Straße", berichtete eine Gruppe ehemaliger Lagerbewohner auf Facebook. "Wir haben nichts, womit wir uns bedecken können, nicht einmal eine Jacke, die uns vor der nächtlichen Kälte und dem Wind schützt." Einige Flüchtige schliefen sogar unter den Bäumen des örtlichen Friedhofs. Hinzu komme die Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus durch infizierte Lagerbewohner, die immer noch nicht gefunden worden seien, erklärte die Gruppe. Nach Angaben der griechischen Nachrichtenagentur ANA wurden die Feuer am Dienstag nach Protesten einiger Bewohner des Lagers gelegt, die nach einem positiven Corona-Test unter Quarantäne gestellt werden sollten.

Ruf nach Aufnahme von mehr Flüchtlingen in Deutschland

Durch den Brand des überfüllten Lagers Moria am Mittwoch wurden mehr als 12.000 überwiegend aus Afrika und Afghanistan stammende Menschen obdachlos. Die meisten harrten im Freien aus. Die griechische Regierung schickte Schiffe nach Lesbos, um vor allem Familien und besonders bedürftigen Menschen neue Schlafmöglichkeiten zu geben. Nun soll ein neues vorübergehendes Zeltlager aufgebaut werden. Einen Transfer auf das Festland lehnt die griechische Regierung allerdings ab - trotz des wachsenden Widerstandes der Bevölkerung von Lesbos gegen das Lager.

Der Brand, der Moria komplett zerstört hat, rückt die Debatte über die Verteilung von Flüchtlingen in der Europäischen Union wieder in den Mittelpunkt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller drang auf eine Aufnahme von mehr Migranten aus Moria als vorgesehen. Deutschland könne ein Zeichen setzen und 2000 Menschen aufnehmen, sagte der CSU-Politiker dem Deutschlandfunk. Moria sei ein letzter Weckruf für die EU. Nach fünf Jahren Flüchtlingsdebatte sei der Zeitpunkt gekommen, nicht länger auf eine einheitliche europäische Linie zu setzen.

Die Aufnahme von 400 Minderjährigen könne nur der erste Schritt sein, sagte Scholz nach einem Treffen der EU-Finanz- und Wirtschaftsminister. "Das muss mehr werden." Es brauche einen klaren Schritt, für Deutschland unabhängig davon, ob andere EU-Staaten mitzögen. Scholz sprach von "schrecklichen Schicksalen" in Moria. Dies zeige, was in der europäischen Flüchtlingspolitik in den vergangenen Jahren schiefgelaufen sei. Hoffentlich trage die Situation zumindest dazu bei, dass es eine schnellere Verständigung innerhalb der EU gebe.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte am Freitag angekündigt, dass Deutschland 100 bis 150 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufnimmt. Insgesamt hätten sich bisher neun EU-Staaten und die Schweiz bereiterklärt, die etwa 400 Personen aus dem Camp einreisen zu lassen, so der CSU-Politiker.

Quelle: ntv.de, jog/rts/AFP