In vier BundesländernPolizei startet Razzia nach Anschlag auf Berliner Stromnetz

Ein Brandanschlag legte im September den Technologiepark Adlershof lahm. Eine linksextreme Gruppe steht unter Verdacht. Die Polizei greift jetzt durch und durchsucht mehrere Objekte.
Ein halbes Jahr nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung des Berliner Technologieparks Adlershof ist die Polizei mit einer Razzia gegen Verdächtige vorgegangen. Seit dem Morgen wurden an weit mehr als einem Dutzend Orten in der Hauptstadt und in drei anderen Bundesländern Wohnungen und andere Räume durchsucht, wie es aus Polizeikreisen hieß. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Aussage.
Ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft sagte: "Die Polizei ist im Einsatz im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Berlin im Zusammenhang mit dem Brandanschlag bei Adlershof im September letzten Jahres. Die Ermittlungen richten sich gegen namentlich bekannte Beschuldigte." Allein in Berlin durchsuche die Polizei 14 Objekte. Weitere Informationen sollten später veröffentlicht werden.
Nach einem Bericht der "Welt" richtet sich der Einsatz gegen eine anarchistische Gruppe. Hunderte Polizisten seien im Einsatz. Laut "Welt" war auch eine linksextremistisch-anarchistische Bibliothek in Kreuzberg im Visier der Polizei.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte: "Die Sicherheitsbehörden kennen die Protagonisten des harten Kerns. (...) Aber nach wie vor ist es unglaublich schwer, ihnen Brandanschläge wie den in Johannisthal oder Zehlendorf nachzuweisen." Das Landeskriminalamt (LKA) habe erfolgreich ermittelt, "um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken".
Bekennerschreiben veröffentlicht
Mutmaßliche Linksextremisten hatten am 9. September 2025 einen Brandanschlag auf einen Strommast verübt und Starkstromkabel weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie die Rede.
Anfangs waren rund 50.000 private und betriebliche Kunden der landeseigenen Stromnetz GmbH von dem Stromausfall betroffen. Bei den Firmen wurden nach Schätzungen Schäden zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht.
Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, sagte Anfang des Monats: "Gewalttaten und die Angriffe auf die Infrastruktur durch Linksextremisten nehmen seit einigen Jahren nicht unbedingt in der Zahl, aber sehr wohl an Intensität zu." Das zeigten etwa die Taten der sogenannten Hammerbande sowie die Brandanschläge auf die Stromversorgung und andere Infrastruktureinrichtungen.
Münch erklärte weiter: "Neben den Taten der sogenannten Vulkangruppen in Berlin und Brandenburg gibt es seit mehreren Jahren einen weiteren Schwerpunkt von Angriffen auf Infrastruktur im Großraum München." Relevant sei hier auch die militante linksextremistische Initiative "Switch off", in deren Rahmen seit mehreren Jahren zu Sabotageakten aufgerufen werde.