Politik

Brandsätze, Tränengas, Blockaden Proteste in Hongkong eskalieren in Gewalt

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Wasserwerfer besprühen Demonstranten zur Markierung mit blauer Farbe.

(Foto: REUTERS)

Die China-kritische Opposition in Hongkong zieht trotz Verbots auf die Straße. Vor der britischen Botschaft singen Demonstranten ausgerechnet die Nationalhymne der ehemaligen Kolonialmacht. Polizei und radikale Demonstranten liefern sich heftige Auseinandersetzungen.

Ungeachtet eines Demonstrationsverbots sind am Sonntag in Hongkong erneut zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Einige Aktivisten griffen Polizisten mit Steinen und Brandsätzen an, sie errichteten Straßenblockaden und beschädigten U-Bahn-Einrichtungen. Die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltungszone feuerte Tränengas ab und setzte Wasserwerfer ein, um die Demonstranten zurückzudrängen.

Zuvor hatten bei einer Kundgebung vor dem britischen Konsulat in Hongkong hunderte Demokratie-Aktivisten Schutzzusagen und mehr Unterstützung von der ehemaligen Kolonialmacht verlangt. Die Demonstranten sangen die britische Nationalhymne und schwenkten den Union Jack sowie die Flagge der ehemaligen britischen Kolonie Hongkong. Sie hielten Schilder hoch, auf denen sie der britischen Regierung vorwarfen, zu wenig Druck auf Peking auszuüben.

Zahlreiche Demonstranten forderten die Gewährung einer Staatsbürgerschaft in Großbritannien oder einer Commonwealth-Nation. Hongkonger, die vor dem oder am 1. Juli 1997 geboren wurden, können den Status "British National Overseas" (BNO) beantragen. Er erlaubt ihnen eine visafreie Einreise nach Großbritannien, kommt allerdings nicht der Staatsbürgerschaft gleich, da er keine Arbeits- oder Aufenthaltsrechte gewährt.

Auch Briten fordern Solidarität

"Mit der vollen Staatsbürgerschaft können sie die Hongkonger wenigstens vor der chinesischen Regierung beschützen", sagte der Demonstrant Anthony Chau, der den sogenannten BNO-Pass besitzt. Am Freitag hatte sich der letzte britische Gouverneur von Hongkong, Chris Patten, dafür ausgesprochen, Hongkongern mit dem BNO-Pass ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Großbritannien anzubieten. Anfang vergangener Woche unterzeichneten zudem etwa 130 britische Abgeordnete einen gemeinsamen Brief mit der Forderung, Menschen aus Hongkong eine Umsiedlung in Überseegebiete zu ermöglichen.

Seit mehr als vier Monaten wird in Hongkong gegen die dortige Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking auf die Sonderverwaltungszone protestiert. Im Anschluss war es häufig zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie etwa Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Quelle: n-tv.de, shu/sba/AFP

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