Politik

Überraschende Wende, neuer Job Putins "Postergirl" bekommt Maulkorb verpasst

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Poklonskaja hat nun einen neuen Job, öffentlich äußern soll sie sich aber nicht mehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einen Tag nachdem Putin seine Lieblingsjuristin feuert, findet Russlands Machthaber bereits einen neuen Job für Natalja Poklonskaja. Das wegen ihrer Kritik am Ukraine-Krieg gerügte "Postergirl" berät jetzt den Generalstaatsanwalt. Gleichzeitig wird sie wohl unter Aufsicht gestellt.

Die bekannte Juristin Natalja Poklonskaja ist zur Beraterin des russischen Generalstaatsanwalts Igor Krasnow ernannt worden. Das berichteten Poklonskaja auf Telegram und der russischen Plattform VKontakte sowie Russlands staatliche Nachrichtenagentur Tass übereinstimmend. Erst am Montag hatte Kreml-Chef Wladimir Putin der Juristin per Dekret ihren Posten als stellvertretende Leiterin von Rossotrudnitschestwo - eine ans russische Außenministerium angegliederte Organisation, die sich unter anderem für Russlands Interessen in anderen Ex-Sowjetstaaten einsetzt - entzogen.

"Ich weiß, dass es viele Glückwünsche geben wird - ich danke allen im Voraus für ihre Unterstützung und ihr Interesse an meinem Dienst", schrieb Poklonskaja, die bereits am Montag bekannt gab, dass sie "eine andere Aufgabe übernommen habe". Gleichzeitig betonte sie nun, dass sie die vom russischen Generalstaatsanwalt gemäß dem föderalen Gesetz "Über die Staatsanwaltschaft der Russischen Föderation" festgelegten Aufgaben wahrnehmen werde und in diesem Zusammenhang ihre öffentliche Tätigkeit einstelle.

"Ich stelle meine Seiten in den sozialen Medien und alle öffentlichen Aktivitäten ein. Ich werde mich nun auf die Erfüllung der Aufgaben konzentrieren", schrieb die Juristin. "Ich möchte die Medien darüber informieren, dass die Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation für Kommentare zur Verfügung steht."

Lächeln mit Maulkorb

Putin hatte der geborenen Ukrainerin Poklonskaja nach Russlands Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim von 2014 zu einem schnellen und steilen Aufstieg verholfen. Als Generalstaatsanwältin der Krim, die dem Kreml treue Dienste erwies und die Expansionslinie Russlands stets stramm unterstützte, war die Juristin schlagartig berühmt geworden. Der russische Machthaber nutzte dabei auch das Äußere Poklonskajas gerne für öffentlichkeitswirksame Zwecke aus. Medien nannten sie "Putins Postergirl", auf Instagram, wo sie auf vielen privaten Fotos perfekt gestylt in die Kamera lächelt, sammelte sie 215.000 Follower. Weil die Juristin einem spezifischen Charakter aus der japanischen Videospiel-Serie "Phoenix Wright: Ace Attorney" ähnlich sieht, entstand in Japan gar ein regelrechter Manga-Kult um sie.

Poklonskaja äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder gegenüber Medien zu verschiedenen politischen und sozialen Themen und verbreitete auch in den sozialen Medien ihre Meinung. Ihr neuer Job scheint jetzt einer Art bestrafender Maulkorb gleichzukommen. Nachdem die Juristin russische Großmachtfantasien stets artig unterstützt hatte, sprach sie nach Moskaus Überfall auf die Ukraine auf einmal von einer "Katastrophe". Poklonskaja sagte: "Hört bitte auf! Mir scheint, dass wir zu weit gegangen sind, und es an der Zeit ist, aus eigener Kraft den Mut für die Zukunft aufzubringen und sie nicht in die Hände derer zu legen, die bewaffnet sind."

Worte, die Putin nicht gefallen haben dürften. Kurzerhand feuerte er sie per Dekret. Dass russische Behörden massiv und hart gegen kritische Stimmen vorgehen, ist nichts Neues. Doch möglicherweise weil die im Land angehimmelte Juristin ihm noch nützlich sein könnte und ein kompletter Rauswurf aus dem System sich auch auf den russischen Machthaber negativ ausgewirkt hätte, fand Putin fix einen neuen Job in der zweiten Reihe für sie. Einen unter Aufsicht und mit Maulkorb. Einen, bei dem Natalja Poklonskaja auf Fotos lächeln und dadurch positives Licht auf Russland werfen soll, aber keinen Schaden mehr mit ihren Worten anrichten kann.

Quelle: ntv.de

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