Politik

"Müssen in ein sicheres Land" Rackete will Flüchtlinge aus Libyen holen

122147577.jpg

Carola Rackete will nach dem Verfahren gegen sie wieder im Umweltbereich arbeiten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die wenigsten Menschen, die aus afrikanischen Ländern fliehen wollen, schaffen es nach Europa. Viele landen in den Händen von Menschenhändlern oder in libyschen Flüchtlingslagern. Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete sieht Europa in der Pflicht.

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. "Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus, in ein sicheres Land", sagte Rackete der "Bild"-Zeitung. "Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen." Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden.

Migranten werden in Libyen ohne gültige Papiere in Internierungslager mit katastrophalen Zuständen gesteckt. Dort mangelt es an Toiletten, Duschen, Essen und Trinken. Nach Berichten von UN und Hilfsorganisationen werden die Menschen in den Lagern teilweise gefoltert und sexuell ausgebeutet. Rackete verteidigte im Interview ihr Vorgehen, einen europäischen Hafen anzusteuern, statt die Schiffbrüchigen nach Libyen oder Tunesien zu bringen: "Damit würden wir uns strafbar machen, es gibt dort keine Asylverfahren".

Europa müsse sich auf die Aufnahme von Klimaflüchtlingen vorbereiten: "Es wird in einigen Ländern Afrikas, verursacht durch industriereiche Länder in Europa, die Nahrungsgrundlage zerstört". Die Europäer könnten "nicht einfach sagen, dass wir die Menschen nicht wollen". Deutschland und andere europäische Staaten hätten außerdem "eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit". "Die heutigen Machtverhältnisse sind durch Europa bestimmt worden." Deshalb gebe es eine historische Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, "die wegen der Machtverhältnisse oder auch der Klimasituation nicht mehr in ihren Ländern leben können".

Rackete steht seit Wochen in den Schlagzeilen, weil sie Ende Juni das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt. Rackete hat derweil eine Verleumdungsklage gegen Italiens Innenminister Matteo Salvini eingereicht. Er verbreite in den sozialen Netzwerken eine "Botschaft des Hasses", unter seinen Followern gab es Mordaufrufe gegen die 31-Jährige. Derzeit hält sie sich an einem geheimen Ort in den Alpen auf.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, ino/dpa