Politik

Plauderei entrüstet Opposition Ramelow bleibt trotz Kritik Clubhouse treu

7b0c7c60601cc2e5f131bc932d575b7c.jpg

Ramelow sieht sich in Teilen als Opfer.

(Foto: dpa)

Der Socialmedia-Jahrmarkt ist mit Clubhouse um eine Attraktion reicher. In der Schwatzrunde einer jungen SPD-Politikerin gibt sich Ministerpräsident Ramelow betont locker - und liefert der Opposition reichlich Munition. Ramelow verteidigt sich und will bei sich eine Lernkurve ausgemacht haben.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist mit einer Talk-Plauderei über die Bund/Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie in die Kritik geraten. Der Linke-Politiker hatte in dem Format der neuen App Clubhouse berichtet, dass er sich bei den oft stundenlangen Ministerpräsidentenkonferenzen mit Kanzlerin Angela Merkel mit einem Smartphone-Spiel entspannt. Zu späteren Behauptungen, er habe die Kanzlerin in der Talkrunde als "Merkelchen" bezeichnet, sagte er, es seien Versatzstücke aus dem Kontext gerissen worden.

Thüringens CDU-Chef Christian Hirte warf Ramelow Respektlosigkeit und Verantwortungslosigkeit vor. "Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit", twitterte er. Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gehe es um Leben und Tod sowie um Existenzen und die Zukunft einer Schüler-Generation. "Wer sein Amt als Ministerpräsident so versteht, verspielt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger", schrieb Hirte. 

Die Thüringer FDP-Fraktion bezeichnete Ramelows Agieren in der Corona-Pandemie als chaotisch. "Ramelow verbringt in den entscheidenden Beratungen seine Zeit lieber mit Daddeln", erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der Thüringer FDP-Fraktion, Robert-Martin Montag. In Thüringen wird am 26. September ein neuer Landtag gewählt. Derzeit regiert in Erfurt eine rot-rot-grüne Koalition - ohne eigene Mehrheit.

Über den Auftritt des 64-Jährigen in der Clubhouse-Talkrunde hatte zuvor die "Welt am Sonntag" berichtet. Ihr zufolge sagte Ramelow in der Runde in der Nacht zu Samstag, er schaffe bei den Treffen der Ministerpräsidenten mit Merkel bis zu zehn Candy-Crush-Level. "Die einen spielen Sudoku, die anderen spielen auf ihren Handys Schach oder Scrabble, und ich spiele Candy Crush", sagte er später dazu. Das sei für ihn eine Methode zu entspannen. Bei den teils zehn Stunden langen Marathon-Sitzungen mit häufigen Unterbrechungen sei dies kein Aufreger. Es sei auch kein Geheimnis.

Ramelow wittert jetzt Feinde

Organisiert hatte die Runde, in die sich Ramelow dann einklinkte, die 19 Jahre alte SPD-Nachwuchshoffnung Lilly Blaudszun aus Mecklenburg-Vorpommern, zusammen mit fünf Freundinnen und Freunden. Es ging um Promis, Klatsch und Tratsch, wie sie berichtete. "Dann kam auf einmal Bodo Ramelow dazu, völlig ungeplant." Als er und andere Politiker dabei waren, sei grundsätzlich gesagt worden, dass dies kein Raum sei, um über politische Inhalte zu diskutieren. Es sei von Anfang an als "Trash Talk" bezeichnet worden und habe auch auf der Ebene bleiben sollen.

Mehr zum Thema

Blaudszun wünschte sich, dass die Diskussion über Ramelows Beitrag sachlicher verlaufe. Natürlich könnten seine Aussagen kritisiert werden, aber gleichzeitig solle man sich auch überlegen, welche die Rolle der Journalismus auf dieser Plattform spiele. Es sei ein Unterschied, ob ein Politiker an einer solchen Diskussion teilnehme oder einem Journalisten ein Interview gebe. Jeder solle sich überlegen, was die eigene Rolle auf der Plattform sei - sie als Moderatorin könne keine Verantwortung dafür übernehmen.

Künftig will Ramelow vorsichtiger mit dem Audio-Portal umgehen. "Ab sofort, wenn ich jetzt dieses Format anmache, merke ich, im Hinterkopf habe ich jetzt die Lernkurve von vorgestern und gestern", sagte er am Sonntag bei einem erneuten Auftritt bei Clubhouse. Die Analyse eines Mediendienstes, dass der Feind stets mithöre, habe er nun hinsichtlich der App verinnerlicht.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa