Politik

Bei Merkel entschuldigt Ramelow will Bild von sich korrigieren

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Viel Leerlauf in den Sitzungen: "Andere rauchen eine Zigarette oder laufen über den Gang - ich spiele auf dem Handy", sagt Ramelow dazu.

(Foto: imago images/Karina Hessland)

Ramelows Geplauder in einem Chat bei Clubhouse über Candy-Crush-Spielereien während einer Sitzung hatte reichlich Kritik zur Folge. Thüringens Länderchef will sich dafür nicht weiter rechtfertigen. Aber er habe seine Lektion gelernt: "Die neue Medienkompetenz wird in Zukunft in Ramelows gemessen."

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat nach dem Eingeständnis des Handyspielens während des Corona-Gipfels versucht, das dadurch entstandene Bild von seiner Person zu korrigieren. Es werde der Eindruck erzeugt, er höre nicht zu, sitze nur da und zocke, sagte Ramelow der Wochenzeitung "Die Zeit". "Als wäre ich verantwortungs- und empathielos und würde mich um die Toten nicht scheren." Das Gegenteil sei aber der Fall. "Corona bereitet mir schlaflose Nächte."

Er könne die Empörung verstehen, wenn nur die veröffentlichte Meinung der vergangenen Tage betrachtet werde, sagte er weiter. In solchen teils über zehn Stunden dauernden Sitzungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel würden sich aber immer "Phasen höchster Anspannung" mit "Phasen, in denen man Zerstreuung sucht", abwechseln.

Momente, "in denen manche Kollegen die Post machen"

Es gebe immer wieder längere Unterbrechungen. Das seien Momente, "in denen manche Kollegen die Post machen". "Andere rauchen eine Zigarette oder laufen über den Gang - ich spiele auf dem Handy", sagte Ramelow. Da sei er "bestimmt nicht der Einzige". Hellwach müssten die Teilnehmer sein, wenn Beschlüsse gefällt oder etwa Textpassagen bearbeitet würden.

Reumütig zeigte sich Ramelow bezüglich seiner Bezeichnung von Merkel als "das Merkelchen". "Ich hätte von Ramelowchen oder Söderchen oder Kretschmännchen sprechen sollen", sagte der Ministerpräsident. "Stattdessen habe ich von einer Frau gesprochen - das war dumm und wirkte despektierlich." Er habe dadurch "männliches Machtgehabe an den Tag gelegt, ohne es zu merken", sagte der Linke-Politiker. Er habe Merkel nicht angreifen und sie nicht herabsetzen wollen, "aber ich habe es getan". Inzwischen habe er sich bei der Bundeskanzlerin "persönlich entschuldigt".

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Weiter versicherte Ramelow in der "Zeit": "Ich steche nichts durch. Einmal simste mir sogar ein 'Bild'-Redakteur in die Sitzung: 'Sie hatten gerade einen starken Auftritt. Möchten Sie bei uns dazu live Stellung beziehen?' Ich habe dann in der MPK (Ministerpräsidentenkonferenz, Anm.d.Red.) seine Nachrichten vorgelesen - und bekam direkt eine empörte SMS: Es sei unanständig, dass ich seine Nachrichten vorlesen würde! Jemand hatte ihn auf dem Laufenden gehalten. Im Vergleich dazu finde ich Candy Crush oder Sudoku als Gehirnjogging eher harmlos."

Den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland sagte der Linken-Politiker, er halte die Affäre um seine Äußerungen in einem Chat in der App Clubhouse nun für abgeschlossen. "Meine Entschuldigung war ernst gemeint." Er wolle sich "aber jetzt nicht immer wieder rechtfertigen". Er habe seine Lektion gelernt, sagte Ramelow. "Die neue Medienkompetenz wird in Zukunft in Ramelows gemessen."

Quelle: ntv.de, abe/AFP