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Dreist, dreister, Ramelow Leute sterben, Candy Crush geht immer

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Man wird sich ja wohl noch entspannen dürfen ...

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Dieser Klubbesuch hinterlässt Schäden: Erst verspottet Bodo Ramelow die Bundeskanzlerin als "das Merkelchen", dann plaudert er über Handyspiele während der Corona-Krisensitzungen. Das ist nicht nur dreist, sondern beschädigt auch das Vertrauen der Bürger.

Es ist aber auch ärgerlich: Da lastet schon die komplette Verantwortung über Leben und Tod von Millionen Menschen auf den Schultern des Ministerpräsidenten und dann kann er sich noch nicht mal in Ruhe mit Candy Crush davon ablenken, ohne dafür gleich kritisiert zu werden. So hat sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow seinen ersten Besuch im derzeit angesagtesten Klub Deutschlands wohl nicht vorgestellt. Schlimm genug, dass er so naiv war, in der Social-Media-App Clubhouse vor mehr als 1000 Zuhörern auszuplaudern, dass er Handyspiele zockt, statt sich auf die Ministerpräsidentenkonferenz zu konzentrieren. Dass er sich für sein Verhalten aber nicht einmal entschuldigt, ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten - und zerstört Vertrauen.

Aber hat sich Ramelow nicht für seinen Auftritt in der Talkrunde "Trash und Feuilleton" am Wochenende entschuldigt? Ja, das hat er. Zumindest für die Formulierung "das Merkelchen", wie er die Kanzlerin in einem Satz genannt hatte. "Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen, war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung", twitterte Ramelow.

Diese Ignoranz ist doch sehr erstaunlich, hat er doch erst vor wenigen Wochen öffentlich zugegeben, dass die Kanzlerin "recht hatte und ich unrecht". Damals meinte Ramelow seinen Widerstand gegen härtere Corona-Maßnahmen. Mit dem jetzigen Wissen bekommt die Selbstkritik plötzlich einen bitteren Beigeschmack: Wo waren wohl Ramelows Gedanken, als Merkel abermals vor steigenden Infektionszahlen und Mutationen warnte?

Aufgewacht aus dem Candy-Crush-Traum, steht Ramelows Bundesland Thüringen seit Wochen vor dunkelroten Zahlen. Mit Inzidenzwerten von über 300, in drei Landkreisen über 500 und in zwei sogar über 600 steht das Bundesland Ende Dezember bis Mitte Januar im Vergleich mit am schlechtesten da. Auch bei den Impfungen sieht es nicht besser aus: Anfangs das Schlusslicht unter den Ländern, liegt es aktuell mit einer Impfquote von 0,081 Prozent auf dem viertletzten Platz.

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Kann man denn gar nichts mehr sagen?

Hinzu kommt, dass Ramelow seine Entschuldigung sogleich wieder relativiert hat. Er fühle sich "teilweise falsch wiedergegeben" und seine Aussagen seien "aus dem Zusammenhang gerissen" worden, sagte er am Sonntag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Und: "Ich bereue den Abend überhaupt nicht. Aber ich habe sofort auch die Grenzen (der App Clubhouse, Anm. d. Red.) aufgezeigt gekriegt." Ramelow denkt offenbar schon an seine zukünftigen Auftritte bei Clubhouse und weniger an seine Verantwortung und Pflicht als Ministerpräsident. Seiner Auffassung nach war es ein "Ausrutscher" im Umgang mit einer App. Dass es, vorsichtig ausgedrückt, unpassend ist, zehn Level Candy Crush zu "schaffen", während man die Grundrechte von Millionen von Menschen einschränkt, über Schulschließungen von Kindern und Existenzen von Unternehmen entscheidet, sieht er offenbar nicht.

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Schlimmer: Es ist ihm nicht peinlich. Schon im Dezember hat der "Spiegel" über die Vorgänge hinter verschlossenen Türen bei der Ministerpräsidentenkonferenz berichtet und dabei einen Ministerpräsidenten entlarvt, der vor Langweile lieber Candy Crush spielt. Dass sich Ramelow ohne zu zögern einfach selbst outet, verrät mehr über ihn und wohl leider auch über die Ministerpräsidentenkonferenzen, als so manche seiner Verteidiger wahrhaben wollen. Selbst wenn Ramelows Worte in einer "lockeren" und, wie er dachte, "vertraulichen" Atmosphäre fielen - es war offensichtlich, dass er sie ernst meinte. Fatal in einer Zeit, in der die Kritik an den Lockdown-Entscheidungen der Regierung immer lauter wird und das Vertrauen vieler Bürger zu bröckeln anfängt. Denn wie ernst kann man Tausende Tote, zerstörte Existenzen und leidende Familien nehmen, wenn man nur mit halbem Ohr zuhört? Oder andersherum gefragt: Wie sehr kann man einer Regierung vertrauen, die das ganze Thema ins Lächerliche zieht?

Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, schiebt Ramelow die Schuld dann noch in die Schuhe der App Clubhouse: "Die Betreiber müssen erst mal begreifen, welchen Hype sie da in Deutschland ausgelöst haben und ihre Konsequenzen daraus ziehen", sagte er. "Wenn ich da meinen Regierungssprecher mitbringen muss, dann ist Clubhouse für Politiker tabu." Ganz nach dem Motto: Heutzutage kann man ja wirklich gar nichts mehr sagen. Nicht mal als Politiker in einer Social-Media-App.

Quelle: ntv.de