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Die Rebellenviertel von Aleppo werden weiterhin bombardiert. Doch auch in der Region um die Metropole wird weiter gekämpft.
Die Rebellenviertel von Aleppo werden weiterhin bombardiert. Doch auch in der Region um die Metropole wird weiter gekämpft.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 16. Oktober 2016

Symbolisch wichtige Stadt: Rebellen erobern Dabik vom IS zurück

Glaubt man der Überlieferung, findet in Dabik der Endkampf muslimischer Heere gegen ihre Gegner statt. Ausgerechnet aus dieser syrischen Stadt wird nun der IS vertrieben. Im Irak steht derweil der Kampf um Mossul kurz bevor.

Mit Unterstützung der Türkei haben syrische Rebellen die symbolisch bedeutsame Stadt Dabik von der Terrormiliz Islamischer Staat zurückerobert. Die Stadt liegt in der syrischen Region Aleppo unweit der Grenze zur Türkei und ist militärisch weitgehend unbedeutend. Der Verlust der Stadt ist für den IS allerdings ein symbolischer Rückschlag: Nach einer islamischen Überlieferung wird in Dabik zum Ende aller Zeiten eine wichtige Schlacht zwischen den Muslimen und ihren Gegnern stattfinden.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte übernahmen die Aufständischen nun unterstützt von türkischen Kampfjets und Artillerie die Kontrolle über die Stadt, der IS zog sich zurück. Die Rebellengruppe Fastakim Union erklärte ebenfalls, sie habe nach Gefechten mit den IS-Kämpfern Dabik erobert. Auf Twitter veröffentlichte sie Bilder, die Kämpfer inmitten weißer Lastwagen zeigen, die ihre Waffen in die Luft recken. Im Hintergrund ist offenbar Dabik zu sehen.

Weitere Luftangriffe auf Aleppo

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, Rebellen seien in der Stadt dabei, Sprengsätze zu entschärfen, die der IS dort deponiert habe. Noch vor einigen Tagen hatte der IS selbst den Vorstoß der Rebellen mit den Worten kommentiert, dies sei nur die "kleinere Schlacht um Dabik", der entscheidende Kampf finde erst noch statt.

Der IS hatte in einem raschen Feldzug im Sommer 2014 große Landesteile in Syrien und im Irak erobert und für das Gebiet ein Kalifat, einen streng islamischen Gottesstaat, ausgerufen. Durch den Einsatz einer internationalen Militärkoalition gegen den IS verlor die Miliz zuletzt aber stark an Boden. Nach Angaben von US-Experten verringerte sich das Gebiet des Kalifats von etwa 90.800 Quadratkilometern Anfang 2015 auf aktuell 68.300 Quadratkilometer.

Die Rebellenviertel in der umkämpften Stadt Aleppo standen unterdessen weiter unter Beschuss: Einem AFP-Korrespondenten vor Ort zufolge gab es seit Mitternacht nahezu ununterbrochen Luftangriffe auf den Ostteil. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits von Raketenangriffen der Rebellen auf Bezirke, die von der Regierung gehalten werden. Dabei wurden demnach zwei Frauen getötet.

Sturm auf Mossul steht bevor

Auch im Irak befindet sich der IS in der Defensive: Die irakische Armee ist in den letzten Vorbereitungen für einen Sturm auf Mossul, um die zweitgrößte Stadt des Landes zurückzuerobern. Wie aus Dokumenten des Militärs hervorgeht, sollten Zehntausende Flugblätter über der Stadt abgeworfen werden. Darin werde der Bevölkerung erklärt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen keine Zivilisten zum Ziel habe. Die Einwohner sollten daheim bleiben und sich von bekannten Häusern der radikal-islamischen Kämpfer fernhalten.

Nach Angaben der Regierung und des Militärs könnte der Angriff auf die letzte große Hochburg des IS im Irak noch im Oktober beginnen. Es wird mit erbitterten Kämpfen und zahlreichen Flüchtlingen gerechnet. In der nordirakischen Metropole lebten vor der Einnahme durch den IS 2014 knapp zwei Millionen Menschen, heute sollen es bis zu 1,5 Millionen sein. In Deutschland machen Iraker einen großen Teil der registrierten Flüchtlinge aus.

In London stand derweil ein Treffen von US-Außenminister John Kerry mit europäischen Kollegen an, nachdem es am Samstag in Lausanne Gespräche mit der russischen Seite gegeben hatte. Die USA und ihre Verbündeten unterstützen in Syrien die Rebellen, Russland die Führung in Damaskus unter Staatschef Baschar al-Assad. In Lausanne ging es um den Versuch, doch noch zu einer Waffenruhe zu kommen, ein konkretes Ergebnis gab es aber nicht. Nach einem Telefonat zwischen Kerry und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hieß es derweil aus dem Berliner Auswärtigen Amt, dass die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts Anfang der Woche fortgesetzt würden.

Quelle: n-tv.de

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