Politik

Gegen alle, für die AfD Rechte Trolle wollten Wahl beeinflussen

imago79992594h.jpg

Bis zu 5000 Nutzer organisierten sich auf der Plattform "Reconquista Germanica", um Diskussionen vor der Bundestagswahl zu manipulieren.

imago/Jürgen Ritter

Im Bundestagswahlkampf sollen rechtsradikale Aktivisten gezielt versucht haben, Diskussionen im Internet zu manipulieren. Medienberichten zufolge nutzten sie falsche Nutzerkonten. Ihr Ziel: die Wähler von der AfD zu überzeugen.

Rechtsradikale Aktivisten haben nach Medienberichten im Bundestagswahlkampf Diskussionen im Internet gezielt manipuliert. Das zeigten Daten aus einem Netzwerk, aus dem solche Kampagnen gesteuert worden seien, berichteten ARD, WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung". Auf der Plattform "Reconquista Germanica" beim Kommunikationsdienst Discord hätten sich im Wahlkampf zeitweise 5000 Nutzer organisiert, um gezielt Themen und Begriffe zu setzen und Gegner einzuschüchtern.

Sie hätten Bewertungen von Videos oder Posts in sozialen Medien verfälscht, die Sichtbarkeit von eigenen, oft rassistischen Inhalten künstlich aufgeblasen und Autoren, Politiker und andere Youtuber beschimpft oder gedemütigt.

So hätten sie im September 2017 die Diskussionen über das TV-Duell von Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kandidat Martin Schulz gekapert und ausgewählte Begriffe wie #nichtmeinekanzlerin zu Twitter-Trends gemacht. Ein anderer Hashtag, der oft gepostet wurde, lautete #verräterduell.

Kommandomäßig organisiert

Die Aktivisten seien dabei kommandomäßig organisiert gewesen. Administratoren - benannt nach militärischen Rängen wie "Offizier der Heeresgruppe Ost" - hätten täglich Anweisungen ausgegeben, welche Ziele zu attackieren seien. Bisweilen habe die Gruppe offenbar auch Verstärkung durch russische Bots erhalten.

Ob die Aktionen Auswirkungen auf den Wahlausgang hatte, lässt sich laut "Süddeutscher Zeitung" nicht nachweisen. Allerdings zeigten die Dokumente, dass sie die politischen Diskussionen beeinflussten.

Für ihre Recherchen kooperierten die Medien mit dem Institut für strategischen Dialog in London sowie der Gruppe "Alt Right Leaks". Dieser war es gelungen, sich bei den sogenannten Internet-Trollen als vermeintliche Mittäter einzuschleichen und Material zu kopieren.

Quelle: n-tv.de, uzh/dpa

Mehr zum Thema