Politik

Vorwurf der Scheinheiligkeit Restaurantbesuch bringt Spahn Kritik ein

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Gesundheitsminister Jens Spahn war im Oktober im Restaurant essen.

(Foto: dpa)

Drei Tage vor seinem positiven Corona-Test diniert Gesundheitsminister Jens Spahn in einem Berliner Restaurant. Eine Dame, die am Nachbartisch sitzt, erkrankt später an Covid-19. Sie macht dem Minister Vowürfe, weil er dem Wirt seine Infektion nicht gemeldet hat. Doch formell hat Spahn nichts falsch gemacht.

Gesundheitsminister Jens Spahn steht in der Kritik, weil er seine Corona-Infektion nicht einem Restaurant gemeldet hat, in dem er wenige Tage vor seinem positiven Testergebnis zu Gast gewesen ist. Eine 77-Jährige, die am Nachbartisch saß und ebenfalls infiziert ist, wirft dem Minister vor, verantwortungslos gehandelt zu haben. Sie selbst habe sich bei dem Restaurant gemeldet, nachdem sie von ihrer Infektion erfahren hatte, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" - vor allem, um Kellner und Gäste zu warnen. Spahn habe dies offenbar nicht getan.

Spahns Sprecher sagte laut Zeitung, der Minister habe "nach Bekanntwerden seiner Corona-Infektion das Gesundheitsamt über den Besuch informiert". Zudem seien zwei Kontaktpersonen direkt informiert worden. Bei ihnen seien die infolge dessen veranlassten Corona-Tests negativ ausgefallen. Spahn war mit seinem Ehemann, zwei Bekannten und Personenschützern in dem Restaurant in Berlin-Schöneberg. Zur Nachverfolgung durch die Behörden habe Spahn zudem eine "vierseitige Liste" mit Namen von Kontaktpersonen übermittelt - darauf habe auch der Name des Restaurants gestanden.

Dass er sich persönlich bei dem Restaurant meldet und seine Infektion bekannt gibt, sei laut Sprecher nicht vorgeschrieben. Lediglich das Gesundheitsamt muss immer informiert werden. Insofern habe der Minister seine Verpflichtungen in dieser Situation erfüllt, heißt es laut Bericht. Allerdings waren die Berliner Gesundheitsämter schon zu diesem Zeitpunkt am Limit - und benötigten bei der Kontaktnachverfolgung bereits die Hilfe von der Bundeswehr.

Dame leidet noch an Covid-19-Folgen

Der Leiter des Gesundheitsamts Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck, teilte laut "Süddeutscher Zeitung" mit, die Information von Kontaktpersonen sei "nicht erforderlich", wenn es keine Hinweise auf eine Ansteckung gebe - und wenn der Infizierte "glaubhaft bestätige", dass er sich an alle Hygiene- und Abstandsregeln gehalten habe. Bei Spahn war das offenbar der Fall. Restaurantgäste werden nur dann vom Gesundheitsamt informiert, wenn der Infizierte sich bei seinem Besuch nicht an die geltenden Schutzbestimmungen gehalten hat.

Der Wirt des Restaurants, in dem Spahn zu Gast war, hat aus der Presse von der Infektion des Ministers erfahren. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, er habe sich danach selbst und alle Kellner testen lassen. Mit negativem Ergebnis. Auch wenn nicht klar ist, ob sich die ältere Dame tatsächlich beim Restaurantbesuch angesteckt hat - die Appelle von Spahn, in der Pandemie aufeinander aufzupassen, bezeichnet sie als scheinheilig. Sie leide nach wie vor an den Folgen ihrer Covid-19-Erkrankung.

Quelle: ntv.de, jug