Politik

"Bitte haben Sie Einsicht" Rufe nach Laschets Rücktritt werden lauter

Die Wahl hat er deutlich verloren, nun bekommt CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet aus der eigenen Partei immer forschere Töne zu hören: Die Junge Union fordert seinen Rücktritt, ebenso die ehemalige Chefstrategin von Norbert Röttgen. Von einer "Katastrophe" ist die Rede.

Nach den starken Verlusten für die CDU bei der Bundestagswahl gibt es die ersten Rücktrittsforderungen an Parteichef Armin Laschet. "Wir brauchen einen echten Neuanfang. Dieser kann nur erfolgreich sein, wenn unser Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat, Armin Laschet, die Konsequenzen aus diesem Vertrauensverlust zieht und zurücktritt", sagte der Landesvorsitzende der sächsischen Jungen union Marcus Mündlein in Dresden. Die Wähler hätten ein klares Signal gesendet, eine Regierung ohne die Union zu wollen. "Als Demokraten haben wir dies zu akzeptieren und sollten die Zeit in der Opposition zur inhaltlichen Neuaufstellung nutzen."

Auch die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Ellen Demuth forderte - auf Twitter - den Rücktritt Laschets. "Ich wünschte, dieser Tweet wäre überflüssig. Ich wünschte, es gäbe eine Selbsterkenntnis", schrieb Demuth. "Nach der bedenklichen PK eben bleibt mir leider nur zu sagen: @ArminLaschet, Sie haben verloren. Bitte haben Sie Einsicht. Wenden Sie weiteren Schaden von der #CDU ab und treten Sie zurück."

Demuth war Chefstrategin bei Norbert Röttgen, als sich dieser Ende 2020 wie Laschet und Friedrich Merz für den Parteivorsitz beworben hatte. Die 39-Jährige ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag in Mainz. Ein Sprecher der CDU bestätigte die Echtheit des Tweets, Demuth selbst war zunächst nicht zu erreichen.

"Politische Verantwortung übernehmen."

Ähnlich äußerte sich CDU-Politiker Christean Wagner. Der Mitgründer des konservativen Berliner Kreises in der Union fordert Konsequenzen nach den schweren Verlusten bei der Bundestagswahl. Wagner sagte der "Heilbronner Stimme": "Nach den schweren Verlusten der Union 2017 und dem aktuellen Debakel ist klar: Wir brauchen einen Neustart, personell wie inhaltlich." Eine besondere Verantwortung sieht Wagner beim CDU-Chef, Kanzlerkandidat Armin Laschet. Wagner: "Laschet sollte die politische Verantwortung für diesen Absturz und diese Katastrophe übernehmen."

Wagner, früher Kultus- und Justizminister in Hessen und im dortigen Landtag auch CDU-Fraktionschef, sagte weiter: "Der historische Absturz ist selbst verschuldet. Mir fehlten eine klare Strategie, klare inhaltliche Orientierung und ein klares Personalkonzept. Und wir hatten nicht den richtigen Kandidaten an die Spitze gestellt. Nach einem solchem historischen Debakel wäre eine Erneuerung auch im Präsidium angebracht, in dem man zum Teil massiv gegen den Willen der Basis versucht hat, Armin Laschet als Kandidaten durchzusetzen, um Markus Söder und Friedrich Merz zu verhindern." Für Wagner ist auch klar: "Mit Söder und Merz hätten wir ein erheblich besseres Ergebnis erzielt."

Die CDU Trier forderte einen Bundesparteitag noch in diesem Jahr. "Angesichts des historisch schlechten Abschneidens der CDU bei der vergangenen Bundestagswahl muss sich der Bundesvorstand bezüglich seiner Zusammensetzung und den zuletzt getroffenen Entscheidungen hinterfragen", teilte der Kreisverband mit. Auch die Abgeordneten vor Ort seien von diesen Entscheidungen negativ getroffen worden.

Bereits am Vorabend hatte Unions-Fraktionsvize Gitta Connemann Erneuerung gefordert. "Alles muss auf den Prüfstand - Strukturen, Verfahren, Mitgliederbeteiligung. Dazu gehören auch personelle Konsequenzen", sagte sie dem "Handelsblatt". Das Ergebnis "lässt sich nicht beschönigen. Es ist katastrophal für CDU und CSU. Wir sind auf dem Weg, den Status der Volkspartei zu verlieren. Deshalb darf es kein Weiter so geben."

Die Union mit Kanzlerkandidat Laschet hatte bei der Wahl am Sonntag ein Debakel erlitten, sie stürzte von 32,9 Prozent auf den historischen Tiefpunkt von 24,1 Prozent ab. Die SPD verbesserte sich von 20,5 Prozent auf 25,7 Prozent und wurde damit stärkste Kraft.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

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