Streitpunkt DonbassRussen und Ukrainer treffen sich in Abu Dhabi in einem Raum

Auge in Auge reden Russen, Ukrainer und US-Verhandler in Abu Dhabi über ein Ende des Krieges. Während Putin Maximalforderungen stellt, hält sich Selenskyj bedeckt. Am Samstag gehen die Gespräche weiter.
Russland und die Ukraine haben die erste Runde ihrer direkten Friedensgespräche seit Langem am späten Abend in Abu Dhabi beendet. "Das Treffen war den Bedingungen für die Beendigung des russischen Krieges und der weiteren Logik des Verhandlungsprozesses gewidmet, mit dem Ziel, einen würdigen und dauerhaften Frieden zu erreichen", teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am späten Abend mit. Details nannte er nicht. Es ist das erste Mal, dass Vertreter der drei Länder über den US-Friedensplan beraten. Russen und Ukrainer sprachen zuletzt im Juli 2025 in einem Raum direkt miteinander.
Der ukrainischen Delegation gehörten laut Umjerow auch Präsidialkanzleichef Kyrylo Budanow, der Fraktionsvorsitzende der Präsidentenpartei im Parlament, David Arachamija, sowie Vize-Außenminister Serhij Kyslyzja an. Von US-Seite waren unter anderem der Sondergesandte Steve Witkoff, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, und der fürs Heer zuständige Staatssekretär Daniel Driscoll dabei. Die russische Verhandlungsdelegation wird vom Chef des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow, angeführt.
Hauptstreitpunkt ist die Forderung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass die Ukraine die unter ihrer Kontrolle verbliebenen 20 Prozent der Region Donezk im Donbass abtritt. Dies entspricht einer Fläche von rund 5000 Quadratkilometern. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete dies als sehr wichtige Bedingung. Kiew steht unter wachsendem Druck der USA, einem Friedensabkommen zuzustimmen. Kiew lehnt die Abtretung von Gebieten jedoch ab, die Russland nicht erobern konnte. Umfragen zufolge gibt es auch in der ukrainischen Bevölkerung kaum Bereitschaft zu territorialen Zugeständnissen.
Ukrainische Militärs stoßen am Samstag dazu
Hinter den Kulissen wird über verschiedene Lösungsmodelle diskutiert. Einem Insider zufolge betrachtet Moskau die sogenannte "Anchorage-Formel", die Putin und US-Präsident Donald Trump im August vereinbart haben sollen, als Basis. Diese sehe vor, dass Russland den gesamten Donbass kontrollieren und die Frontlinien im Süden und Osten der Ukraine eingefroren werden sollen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte für den heutigen Samstag weitere Verhandlungen an. "Das ist wichtig, denn solche trilateralen Treffen gab es schon lange nicht mehr", sagte Selenskyj in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft. Es sei noch zu früh, um Schlussfolgerungen zu dem Treffen in Abu Dhabi zu ziehen. Vor allem müsse Russland, das den Angriff begonnen habe, bereit sein, den Krieg zu beenden. Selenskyj erklärte, ein Abkommen über US-Sicherheitsgarantien sei fertig ausgehandelt. Er warte lediglich auf einen Termin von Trump zur Unterzeichnung.
Am Samstag werden von ukrainischer Seite Generalstabschef Andrij Hnatow und der stellvertretende Chef des Militärgeheimdienstes, Generalleutnant Wadym Skibizkyj, zu den Verhandlungen hinzustoßen. "Wir sind bereit, je nach Verlauf des Dialogs in verschiedenen Formaten zu arbeiten", sagte Umjerow.