Mit Geld und VersprechungenRussische Armee wirbt Studenten als Drohnenpiloten an

Russland setzt bei der Rekrutierung auf neue Strategien. Einige Firmen müssen dem Militär Angestellte zur Verfügung stellen, nun soll diese Regelung auf Universitäten ausgeweitet worden sein. Zudem erhalten Studenten hohe finanzielle Angebote.
Die russische Armee drängt Studenten zum Dienst als Drohnenpiloten im Krieg gegen die Ukraine. Der unabhängige Telegram-Kanal Faridaily berichtete sogar, das Bildungsministerium lege eine Quote fest, dass Universitäten und Hochschulen zwei Prozent ihrer Studenten für die 2025 neu gebildeten Drohnentruppen gewinnen sollten. Eine ähnliche Regelung gilt teilweise bereits für Unternehmen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow kommentierte in Moskau, ihm sei von einer solchen Anordnung nichts bekannt. "Es ist tatsächlich eine neue Truppengattung gebildet worden mit gewissen Anforderungen, es werden neue Kader für diese Art Truppe gebraucht", sagte er der Nachrichtenagentur Tass zufolge. "Es gibt ein Angebot für diejenigen, die die entsprechenden Kompetenzen mitbringen."
Nach Zählung unabhängiger Medien gab es seit dem vergangenen Herbst mehr als 200 Werbeveranstaltungen an russischen Hochschulen. Dabei wurde mit Versprechungen und Druck versucht, Studenten und Studentinnen für den Armeedienst mit Drohnen zu gewinnen. Neben Geld werde zugesagt, das Studium könne nach einem Jahr Vertragsdauer problemlos fortgesetzt werden. Große staatliche Universitäten wie Moskau und St. Petersburg sicherten zusätzlich eigene Geldzahlungen zu.
Universitäten versprechen sehr hohe Geldsummen
Universitäten wenden sich dabei vor allem an Studenten technischer Fächer wie Ingenieurwesen oder Luftfahrt. Ihnen versprechen die Hochschulen im Falle einer Selbstverpflichtung Zahlungen, die sich umgerechnet auf hohe fünfstellige Euro-Beträge im Jahr summieren. So beziffert die Fernöstliche Föderale Universität in Wladiwostok den Sold im ersten Jahr auf mindestens 5,5 Millionen Rubel (rund 59.000 Euro).
Hinzu kommen sollen eine Einmalzahlung von 2,5 Millionen Rubel (27.000 Euro) nach Absolvierung einer kostenlosen Ausbildung sowie eine Monatszulage von 240.000 Rubel (2600 Euro) und eine einmalige Prämie von 200.000 Rubel (knapp 2200 Euro). Nach einem Jahr Dienst an der Front würden Rückkehrer von Studiengebühren befreit, heißt es weiter.
"Dies ist nicht nur eine Gelegenheit, sich zu beweisen, sondern auch eine einzigartige Plattform für den sozialen und beruflichen Aufstieg, die durch beispiellose Unterstützungsmaßnahmen flankiert wird", schreibt die Hochschule in Wladiwostok in einem im März veröffentlichten Dokument. Die Staatliche Hydrometeorologische Universität in St. Petersburg verspricht auf ihrer Internetseite Drohnenpiloten im Kriegseinsatz ein Jahreseinkommen von mindestens sieben Millionen Rubel (knapp 76.000 Euro).
Drohnenpiloten trotz Distanz zur Front in Lebensgefahr
An der Front in der Ukraine haben sich sogenannte First-Person-View-Drohnen für beide Seiten zu einem der wichtigsten Kampfmittel entwickelt. Die Piloten sehen dank kleiner Kameras den Flug ihrer Drohnen. Tausende dieser Fluggeräte suchen auf dem Gefechtsfeld nach gegnerischen Soldaten und Fahrzeugen und attackieren sie.
In dem Abnutzungskrieg arbeiten Drohnenpiloten beider Seiten zwar meist in einiger Entfernung zur Frontlinie. Aufgrund ihrer wichtigen Funktion gelten sie dennoch als gefährdet - bei der Entdeckung ihrer Positionen werden sie vom Gegner regelmäßig gejagt und getötet. An einigen Hochschulen wurden den Angaben zufolge interne Dokumente der russischen Armee öffentlich gemacht, wonach die neue Drohnentruppe in diesem Jahr eine Stärke von 78.000 Mann erreichen soll.