Politik

Zwei Angriffe in vier TagenRussische Drohnen stürzen sich auf ukrainische Himars-Werfer

20.01.2026, 19:22 Uhr
imageVon Janis Peitsch
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Video poster

Innerhalb von vier Tagen greift Moskaus Militär gleich zwei ukrainische Raketenwerfer vom Typ Himars an. Videos zeigen, wie Drohnen die Waffensysteme aus US-Produktion jagen. Die Attacken deuten auf neue Fähigkeiten Russlands bei Aufklärung und Fernangriffen hin.

Russlands Streitkräften ist es offenbar innerhalb weniger Tage gelungen, gleich zwei wertvolle Himars-Mehrfachraketenwerfer der ukrainischen Armee tief im Hinterland anzugreifen. In beiden Fällen ist allerdings unklar, inwieweit die Systeme bei den Attacken beschädigt oder vollständig zerstört wurden. Die Vorfälle verdeutlichen jedoch Moskaus wachsende Fähigkeiten bei der Tiefenaufklärung sowie bei Angriffen weit hinter der Front.

Der jüngste Angriff erfolgte laut russischen Angaben in der vergangenen Nacht. Die russische Elite-Einheit Rubikon meldete auf ihrem Telegram-Kanal, einer ihrer Drohnenpiloten habe während eines Einsatzes den Abschuss einer Himars-Rakete beobachtet. In der Nähe des Dorfes Nowobachmetjewe in der Region Donezk sei der Raketenwerfer anschließend nach einer Verfolgungsjagd angegriffen und zerstört worden. Ein auf dem Kanal veröffentlichtes Video zeigt, wie die Drohne den mobilen Werfer verfolgt und schließlich einholt. Kurz vor der Kollision bricht die Aufnahme ab. Das Verifizierungsteam von RTL/ntv konnte den Ort der Attacke bestätigen. Demnach liegt Nowobachmetjewe etwa 50 Kilometer von der Front entfernt.

Bereits am Freitag hatte ein prorussischer Telegram-Kanal ein Video einer Aufklärungsdrohne veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, wie ein Himars-Werfer auf ein Feld fährt und mehrere Raketen abfeuert. Anschließend macht sich das Fahrzeug offenbar auf den Rückweg und wird von einer schnell fliegenden Drohne verfolgt, die am Ende in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs explodiert. Die Besatzung überlebt den Angriff und entfernt sich zu Fuß.

Militärbeobachtern zufolge könnte es sich bei der eingesetzten Drohne um eine Shahed-238 mit Düsenantrieb handeln. Nach Angaben des Verifizierungsteams von RTL/ntv ereignete sich die Attacke nahe der Ortschaft Swirok in der nördlichen Region Tschernihiw. Die russische Grenze liegt dort ebenfalls rund 50 Kilometer Luftlinie entfernt.

Nach Beginn des russischen Angriffskrieges wurden Himars von Washington in mehreren Lieferungen an Kiew übergeben. Im ersten Kriegsjahr spielte der Werfer vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin eine zentrale Rolle bei der ukrainischen Gegenoffensive in der Region Cherson. Einige Monate später mehrten sich jedoch Berichte, wonach das System an Wirksamkeit eingebüßt habe. Russland gelang es demnach zunehmend, das GPS-Zielsystem durch elektronische Störsender zu beeinträchtigen, sodass Raketen ihr Ziel verfehlten.

Insgesamt lieferten die USA laut offiziellen Angaben 42 Himars-Systeme an die Ukraine. Bis Dezember 2025 wurden nach Zählungen von Militärbeobachtern mindestens vier Werfer zerstört. Im Kampf gegen das russische Militär setzen ukrainische Artillerieeinheiten auf die sogenannte "Shoot and scoot"-Taktik ("schießen und ausweichen"), bei der der Werfer ein Ziel kurz beschießt und anschließend sofort die Stellung wechselt, um feindlichem Gegenfeuer zu entgehen. Die vom Westen gelieferte Munition für die ukrainischen Himars hat eine Reichweite von etwa 85 Kilometer.

Quelle: ntv.de

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