Politik

Dutzende Privatkonten betroffen Russische Hacker greifen Abgeordnete an

imago0078651352h.jpg

Die Gruppe "Ghostwriter" ist Sicherheitsexperten vor allem durch Desinformationskampagnen ein Begriff.

(Foto: imago/photothek)

Über sogenannte Phishing-Mails versuchen Unbekannte, an Daten von Bundestags- und Landtagsabgeordneten zu gelangen. Die Cyberattacke geht mutmaßlich auf das Konto einer Hackergruppe, die dem russischen Militärgeheimdienst zugeordnet wird.

Mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete sind in den vergangenen Tagen das Ziel von Cyberangriffen geworden - vermutlich aus Russland. Das Bestätigen zwei Experten der dpa. Der Angriff sei allerdings nicht mit dem groß angelegten Hackerangriff auf den Bundestag aus dem Jahr 2015 vergleichbar. Die Angriffe hätten vor allem auf die privaten E-Mail-Konten der Parlamentarier gezielt. "Das sind die leichteren Ziele im Vergleich zur Bundestags-IT", sagte ein Experte.

Ob bei dem Angriff tatsächlich Daten abgeflossen sind, ist bislang noch unklar. Der "Spiegel" berichtete, die angegriffenen Politiker gehörten mehrheitlich den Regierungsparteien CDU/CSU und SPD an. Außerdem seien auch 31 Landtagsabgeordnete betroffen. Ein Sprecher des Bundestages sagte, es habe nach den bislang vorliegenden Informationen keinen unmittelbaren Angriff auf die Infrastruktur des Parlaments gegeben.

"Die Verwaltung des Deutschen Bundestages wurde zeitnah durch die zuständigen Behörden der Regierung über den Sachverhalt informiert. Alle betroffenen Abgeordneten wurden sowohl von den Sicherheitsorganen als auch von der Verwaltung des Deutschen Bundestages über den Angriff und die entsprechenden Maßnahmen in Kenntnis gesetzt." Der Bundesverfassungsschutz erklärte lediglich, man habe gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ein Sensibilisierungsschreiben an mögliche Ziele solcher Attacken geschickt. Den Angriff selbst wollten die Verfassungsschützer allerdings nicht bestätigen.

Hackergruppe in Verdacht

Der Angriff wird von Experten der russischen Hackergruppe "Ghostwriter" zugeschrieben. Die Gruppe war IT-Sicherheitsexperten demnach bisher vor allem für Desinformationskampagnen bekannt. Der "Spiegel" verwies darauf, dass die US-Sicherheitsfirma Fireeye im vergangenen Jahr berichtet habe, "Ghostwriter" habe sich auf das Produzieren von Falschnachrichten spezialisiert.

Die Hacker verschafften sich demnach Zugang zu populären Nachrichtenseiten oder Blogs, um dort gefälschte Artikel oder Fotos zu veröffentlichen. Die Gruppe richte sich deutlich an russischen Sicherheitsinteressen aus, berichtete der "Spiegel" weiter aus einer Analyse von Fireeye. Hinter diesen IT-Söldnern soll der russische Militärgeheimdienst GRU stecken. Experten weisen allerdings auch immer wieder darauf hin, dass bei Hackerangriffen falsche Spuren gelegt werden könnten, um die Straftaten unbeteiligten Gruppen in die Schuhe zu schieben.

Die bisher größte Cyber-Attacke gegen den Bundestag war im Mai 2015 bekannt geworden. Rechner in zahlreichen Abgeordnetenbüros waren mit Spionagesoftware infiziert worden, darunter Computer im Bundestagsbüro von Kanzlerin Angela Merkel. Der Angriff führte dazu, dass das IT-System des Parlaments anschließend generalüberholt werden musste. Die Bundesregierung war damals überzeugt, dass russische Hacker den Bundestag attackierten. Russland bestritt jedoch jegliche Beteiligung vehement.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.