Politik
Russische Kämpfer unter den wachsamen Augen von Baschar al-Assad.
Russische Kämpfer unter den wachsamen Augen von Baschar al-Assad.(Foto: AP)
Dienstag, 17. April 2018

Schutz von Assads Ölfeldern: Russische Söldner mischen in Syrien mit

Berichte über "Russlands Schattenarmee in Syrien" sind nicht neu. Doch ein mysteriöser Todesfall rückt eine Gruppe von Söldnern erneut ins Rampenlicht, die in mehreren Konfliktregionen der Welt aktiv sind. Ein Putin-Verbündeter gilt als prominenter Unterstützer.

Der Tod eines Journalisten in Russland hat die Rolle russischer Söldner im syrischen Bürgerkrieg zurück ins Licht der Öffentlichkeit geholt. Maxim Borodin erlag am Sonntag in einem Krankenhaus seinen Verletzungen, die er sich bei einem Sturz vom Balkon seiner Wohnung in der Stadt Jekatarinburg am Freitag zugezogen hatte. Der Journalist hatte jüngst über den Tod mehrerer Russen in Syrien geschrieben.

Video

Bei den von Borodin beschriebenen Todesfällen handelte es sich offiziell um Zivilisten, die nach Angaben Moskaus im Februar bei Luftangriffen der US-geführten Koalition im Osten Syriens getötet worden waren. Es war die erste amtliche Bestätigung nicht-militärischer, in Kampfhandlungen verwickelter Kriegsopfer aus Russland.

Der 32-jährige Investigativjournalist Borodin war Ende vergangener Woche unter bislang ungeklärten Umständen von seinem Balkon im fünften Stock gestürzt. Berichten zufolge erlag er am Sonntag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Es gebe "aber kein Anzeichen dafür, dass ein Verbrechen begangen wurde", zitierte die Nachrichtenagentur Tass einen Sprecher der zuständigen Ermittlungskommission. Außerhalb Russlands löst der Balkonsturz Borodins "ernsthafte Besorgnis" aus, wie etwa Medienbeauftragte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir, erklärte. Er forderte von den russischen Behörden eine "rasche und gründliche Untersuchung".

In der Vergangenheit hatte es bereits vereinzelt Berichte über Russen gegeben, die für private Firmen in Syrien kämpften - möglicherweise, um für Präsident Baschar al-Assad Ölfelder zu sichern. Bereits 2014 wurden zwei Männer in Russland zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie mehr als 200 ehemalige Militärangehörige für eine Söldnertruppe mit dem Namen Slawisches Corps rekrutiert hatten. Zweck der Rekrutierung war ein Einsatz in der syrischen Provinz Deir Essor, in der im Februar fünf Russen bei Kampfhandlungen getötet wurden.

Nach Angaben der Internetseite Fontanka, welche die Rolle privater Sicherheitsfirmen im Syrienkonflikt dokumentiert, wurde das Slawische Corps nach der Verurteilung seiner Chefs das Kernstück einer neuen Söldnertruppe unter der Leitung des ehemaligen Mitglieds Dmitri Utkin, Spitzname Wagner.

Gruppe Wagner seit 2015 aktiv

Utkin und die sogenannte Gruppe Wagner tauchen auf einer schwarzen Liste des US-Finanzministeriums auf, weil sie Soldaten in die Ost-Ukraine geschickt haben sollen, um an der Seite der pro-russischen Separatisten zu kämpfen. Laut Fontanka ist die Gruppe Wagner seit Ende 2015 in Syrien aktiv.

Dieser russische Söldner war 2017 in der Ukraine aktiv.
Dieser russische Söldner war 2017 in der Ukraine aktiv.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Eine als Konfliktinformations-Team (CIT) bekannte Bloggergruppe nennt das private Sicherheits-Militärunternehmen Wagner "Russlands Schattenarmee in Syrien". Das Unternehmen hat laut CIT etwa eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung der syrischen Oasenstadt Palmyra gespielt. Wie viele seiner Kämpfer in Syrien im Einsatz sind, ist unklar. Der unabhängige russische Militärexperte Pawel Felgenhauer schätzte ihre Zahl im vergangenen Jahr auf 2000 bis 3000 Söldner.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern und trotz eines entsprechenden Gesetzes wurde Dmitri Utkin bisher in Russland nicht rechtlich für sein Engagement belangt. Stattdessen wurde er im Dezember 2016 in Moskau ausgezeichnet - laut Kreml als Veteran. Wagner wird Medienberichten zufolge vom Catering-Unternehmer und Putin-Verbündeten Jewgeni Prigoschin aus St. Petersburg finanziert. International bekannt wurde Prigoschin unter seinem Spitznamen "Putins Koch".

Zahlreiche Häftlinge als Rekruten

Prigoschin hat mit zahlreichen Aufträgen aus dem russischen Verteidigungsministerium ein Vermögen gemacht und steht wegen mutmaßlicher Einflussnahme auf die US-Wahlen 2016 mithilfe sogenannter Internet-Trolle ebenfalls auf der schwarzen Liste des US-Finanzministeriums.

Prigoschin gründete nach Angaben eines ehemaligen Wagner-Söldners die Firma Ewro Polis, die im Auftrag der syrischen Regierung Öl- und Gaseinrichtungen sichert und dafür mit 25 Prozent an der künftigen Produktion beteiligt ist. Demnach zahle Ewro Polis jedem Wagner-Söldner zwischen 3500 und 5000 Dollar (umgerechnet 2800 bis 4000 Euro) im Monat.

Die Wagner-Rekruten bestünden zu 40 Prozent aus ehemaligen Häftlingen, sagte das ehemalige Mitglied der Gruppe dem Magazin "Sowerschenno Sekretno". Wegen der "schlechten Qualität" der Rekruten sei es zum Bruch mit Moskau gekommen. Der Kreml übe demnach nur begrenzte Kontrolle über die russischen Söldner in Syrien aus.

Quelle: n-tv.de