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14 Treffer in 11 Tagen Russische Waffendepots werden zu leichtem Ziel

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Ende Juni trafen vier US-Mehrfachraketenwerfer HIMARS in der Ukraine ein. Seitdem werden russische Waffendepots in den besetzten Gebieten regelmäßig beschossen.

(Foto: IMAGO/Cover-Images)

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Lange Zeit können ukrainische Streitkräfte feindliche Waffendepots und Stützpunkte nur angreifen, wenn diese unweit der Frontlinie liegen. Doch seitdem Kiew US-Raketenwerfer vom Typ HIMARS zur Verfügung stehen, können sich die Russen in den besetzten Gebieten nicht mehr sicher fühlen.

In den vergangenen Wochen haben die ukrainischen Streitkräfte laut einem Medienbericht zahleiche Munitionsdepots und Militärstützpunkte in den von Russland besetzten Gebieten angegriffen und zerstört. Allein innerhalb von elf Tagen von Ende Juni bis Anfang Juli zählte der ukrainische Ableger der BBC 14 Präzisionsschläge auf Objekte, die weit entfernt von der Frontlinie lagen. Noch vor kurzem waren solche Ziele für die ukrainische Armee unerreichbar. Nach Ansicht von Experten ist die hohe Anzahl der erfolgreichen Schläge vor allem auf die westlichen Waffenlieferungen zurückzuführen.

Am 23. Juni teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit, dass die lang erwarteten HIMARS-Mehrfachraketenwerfer aus den USA an der ukrainischen Front eingetroffen seien. Diese GPS-gesteuerten Raketenwerfer finden laut US-Militär auf 85 Kilometer Entfernung mit einer Genauigkeit von drei bis sieben Metern ihr Ziel.

Bereits fünf Tage nach der Lieferung wurden Explosionen in Nowa Kachowka gemeldet - einer strategisch wichtigen Stadt im Süden der Ukraine, die die Russen am ersten Tag der Invasion einnahmen. Am selben Tag griffen die ukrainischen Streitkräfte einen russischen Stützpunkt in der Stadt Perewalsk in der Region Luhansk an. Beide Ziele liegen rund 40 bis 50 Kilometer hinter der Frontlinie, was auf den Einsatz hochpräziser westlicher Waffen hinweist. Auf die Schläge gegen die russischen Militärziele in Nowa Kachowka und Perewalsk folgten in den nächsten Tagen mindestens zwölf weitere Angriffe, die meisten davon im Donbass und Süden des Landes.

Artillerie ohne Munition nur nutzloses "Eisen"

Die ukrainischen Truppen trafen zwar auch früher gelegentlich feindliche Depots und Kommandoposten, jedoch geschah dies in der Regel direkt an der Frontlinie. Die erfolgreichen Aktionen vergangener Tage und Wochen seien darauf zurückzuführen, dass "die westliche Artillerie endlich sehr stark geworden ist", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Ansprache am vergangenen Donnerstag.

Durch die ukrainischen Angriffe können sich die Invasoren selbst in den weit von der Frontlinie entfernten Gebieten nicht mehr sicher fühlen. Die Schläge haben zudem praktische Auswirkungen auf die Lage an der Front. Dass die Ukraine auf russische Waffendepots zielt, "ist die absolut richtige Logik der ukrainischen Streitkräfte bei einer solchen Überlegenheit der russischen Artillerie", erklärte Pjotr Pjatakow, ein pensionierter Oberst der ukrainischen Armee, der BBC. Denn die Wirksamkeit der russischen Angriffe "hängt von der Verfügbarkeit von Munition ab - wenn es keine gibt, was nützt dann das Eisen?"

In Russland gebe es zwar große Munitionsbestände, diese müssten aber noch an die Truppen an der ukrainischen Front geliefert werden, zunächst per Bahn und dann per Lkw. Die ukrainischen Streitkräfte arbeiten laut Pjatakow daran, diese Kette zu durchbrechen. "Wir können sehen, dass nach der Zerstörung von Munitionsdepots bereits russische Treib-und Schmierstofflager, Eisenbahnanlagen und Brücken angegriffen wurden", sagte der Experte. "Und das ist auch richtig so, denn dadurch wird es für den Feind schwieriger, neue Munition zu beschaffen."

Russen müssen Waffendepots weiter von der Front entfernt anlegen

Laut dem italienischen Militärexperten Thomas C. Theiner befinden sich russische Depots meistens in der Nähe von Eisenbahnen. Bisher hätten Züge mit Munition aus Russland an verschiedenen Stellen 30 bis 40 Kilometer hinter der Frontlinie gehalten, wo die Fracht dann entladen und gelagert worden sei, erklärte Theiner vor wenigen Tagen auf Twitter. An die Front sei sie per Lkw transportiert worden. Da die Depots nun in Reichweite der ukrainischen Artillerie lägen, müssten die Russen diese nun weiter von der Frontlinie entfernt anlegen - in einer Entfernung von 90 bis 100 Kilometern.

Dies bedeutet laut Theiner, dass der Transport von Munition, Treibstoff und Lebensmitteln mehr Zeit in Anspruch nehmen werde. Darüber hinaus seien solche Lkw-Konvois, die sich über Dutzende von Kilometern erstrecken, einfachere Ziele für die ukrainischen Streitkräfte.

Die hohe Präzision und große Reichweite der HIMARS-Systeme macht sie zu einem begehrten Ziel für die russischen Streitkräfte. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte in der vergangenen Woche mit, zwei der vier Raketenwerfer, die der Ukraine zur Verfügung stehen, zerstört zu haben. Sowohl Kiew als auch Washington dementierten die Behauptungen.

Quelle: ntv.de, uzh

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