Politik

Der Kriegstag im Überblick Russland greift Odessa und Azowstal an - US-Minister reisen nach Kiew

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Mindestens acht Menschen kamen bei Raketenangriffen auf Odessa ums Leben.

(Foto: via REUTERS)

Die russischen Angriffe konzentrieren sich auf den Osten und Süden der Ukraine. Mehrere ukrainische Orte melden Tote und Verletzte. Mit Odessa wird eine weitere Hafenstadt erneut ins Visier genommen. Gleichzeitig erhofft sich Kiew mehr Unterstützung durch die USA, die eine hochrangige Delegation nach Kiew schicken. Der 59. Kriegstag im Überblick:

Raketen treffen Hafenstadt Odessa

Infolge eines russischen Raketenangriffs sind in der südukrainischen Hafenstadt Odessa mindestens acht Menschen getötet worden, darunter auch ein drei Monate alter Säugling. Mindestens 18 Menschen wurden verletzt, wie der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, über den Nachrichtendendienst Telegram mitteilte. Die ukrainische Luftabwehr hatte parallel mitgeteilt, dass sie zwei Raketen und zwei Aufklärungsdrohnen abgeschossen habe. Die Raketen seien von einem Langstreckenbomber des Typs Tu-95 über dem Kaspischen Meer abgefeuert worden. Trotz des Abschusses seien ein militärisches Objekt und zwei Wohnhäuser in Odessa beschädigt worden, hieß es.

Den Beschuss bestätigte Russland Stunden später. Demnach wurde ein Logistikterminal auf einem Militärflugplatz getroffen. Dort soll eine "große Lieferung" Waffen aus den USA und aus europäischen Staaten gelagert worden sein, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, der Agentur Interfax zufolge in Moskau sagte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den Angriff aufs Schärfste. In einer Pressenkonferenz in einer Kiewer U-Bahn-Station bezeichnete er Russland als "Bastarde", "Nazis" und "Russisten" (eine Wortschöpfung für "russische Faschisten"). Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter, einziges Ziel der Raketenangriffe auf Odessa sei "der Terror".

Erneute Angriffe auf Stahlwerk in Mariupol

Auch das Stahlwerk Azovstal in der Hafenstadt Mariupol ist nach ukrainischen Angaben wieder Ziel russischer Angriffe geworden. "Der Feind versucht, den letzten Widerstand der Verteidiger von Mariupol zu ersticken", sagte Präsidentenberater Olexij Arestowytsch in einer Videobotschaft. Eingesetzt würden Artillerie und Luftwaffe. Die ukrainischen Soldaten würden jedoch ihre Positionen halten und "sogar Gegenangriffe starten". Die Angaben sind nicht überprüfbar.

Um 12 Uhr sollte eine Waffenruhe für die Evakuierung von verbliebenen Zivilisten aus der weitgehend zerstörten Stadt mit einst 440.000 Einwohnern einsetzen. Der Versuch ist laut ukrainischen Angaben jedoch gescheitert. Die für den Abtransport versammelten Menschen wurden demnach von russischen Soldaten "auseinandergetrieben".

Gefechte im Donbass

Neben den Kämpfen im Süden der Ukraine wird auch in den östlichen Regionen Donbass und Luhansk weiter heftig gekämpft. Durch russische Artillerie- und Raketenangriffe wurden in der Ukraine erneut mehrere Menschen getötet oder verletzt. Im ostukrainischen Gebiet Luhansk wurden in der Siedlung Solote zwei Menschen getötet und zwei weitere verletzt, wie Gouverneur Serhij Hajdaj per Nachrichtendienst Telegram mitteilte. Die umkämpften Städte Popasna, Rubischne und Sjewjerodonezk wurden heftig mit Artillerie beschossen und aus der Luft bombardiert, hieß es.

Im benachbarten Gebiet Donezk wurden der Gebietsverwaltung zufolge drei Menschen getötet und sieben verletzt. Im Charkiwer Gebiet informierte Gouverneur Oleh Synjehubow am Morgen über 2 Tote und 19 Verletzte infolge von 56 Angriffen innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Den Behörden nach wurden im südukrainischen Gebiet Mykolajiw acht Menschen durch Beschuss verletzt.

US-Delegation reist nach Kiew

Genau zwei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine werden US-Außenminister Antony Blinken und US-Verteidigungsminister Lloyd Austin am Sonntag zu einem Besuch in Kiew erwartet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, er werde die beiden US-Minister in der Hauptstadt empfangen. Es ist der erste offizielle Besuch von US-Regierungsmitgliedern in der Ukraine seit Beginn des russischen Einmarschs am 24. Februar.

Präsident Selenskyj hofft, dass von den USA Unterstützung für Waffenlieferungen aus Deutschland kommt. "Damit sie (Deutschland) damit beginnen, das zu liefern, was sie haben und das, was sie gerade nicht nutzen", sagte Selenskyj bei der Pressekonferenz in einer U-Bahn-Station. Er erinnere bei jedem Gespräch mit deutschen Vertretern daran. Der Krieg sei in der Ukraine und "ihr habt das, was ihr gerade nicht braucht, und wir brauchen sehr viel", betonte der Staatschef. "Man kann heute nicht zu uns mit leeren Händen kommen. Wir erwarten nicht nur einfach Geschenke oder irgendwelche Törtchen. Wir erwarten konkrete Dinge und konkrete Waffen."

Schröder bietet Vermittlung an

Derweil will Altkanzler Gerhard Schröder weiter als Vermittler im Ukraine-Krieg fungieren. "Ich habe immer deutsche Interessen vertreten. Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir", sagte der frühere SPD-Chef und heutige Lobbyist für russische Energie-Unternehmen der "New York Times". Man müsse nun so schnell wie möglich zu einer Friedenslösung kommen. "Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler, und das habe ich auch immer gesagt." Schröder war im März nach Moskau gereist, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sprechen.

Nach dem Gespräch mit Putin habe es ein weiteres Treffen mit dem ukrainischen Parlamentarier Umerow gegeben. Danach sei der Kontakt abgebrochen. Schröder sei aber bereit, mit beiden Seiten wieder zu sprechen, sagte er der US-Zeitung. Er warb dafür, die Beziehungen zu Russland trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine aufrechtzuerhalten. "Sie können ein Land wie Russland langfristig nicht isolieren, weder politisch noch wirtschaftlich", sagte er. "Die deutsche Industrie braucht Rohstoffe, die Russland hat. Es geht nicht nur um Öl und Gas, es geht auch um seltene Erden. Und das sind Rohstoffe, die nicht so einfach ersetzt werden können."

FDP fordert schwere Waffen für Ukraine

Mit einem Beschluss ihres Bundesparteitages fordert die FDP eine Lieferung schwerer Waffen aus Deutschland an die Ukraine. Das Land müsse bei der Abwehr des russischen Angriffskrieges schnell und wirksam unterstützt werden, heißt es in einem Antrag des Bundesvorstandes, der laut Parteitagspräsidium mit "überwältigender Mehrheit" beschlossen wurde. "Dazu gehören auch die Lieferung schwerer Waffen und die schnelle Bereitstellung von Rüstungsgütern durch die deutsche Industrie, für die Deutschland wie angekündigt die Finanzierung übernimmt", heißt es in dem Beschluss. Der gesamte Parteitag stand im Zeichen des Krieges in der Ukraine.

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Quelle: ntv.de, mba/dpa

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