Politik

Hat das Folgen für den 9. Mai?Russland ignoriert Selenskyjs Waffenpause und tötet weiter

06.05.2026, 10:46 Uhr
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Am Dienstag erst griff Russland massiv die Ukraine an, wie hier Kramatorsk. Mindestens 27 Menschen starben. (Foto: picture alliance / Anadolu)

Russland ruft eine Waffenpause aus, um am 9. Mai sein Militär aufmarschieren zu lassen. Doch vorher greift es an, was das Zeug hält - und setzt sich damit über eine von der Ukraine ausgerufene Waffenruhe hinweg. Das könnte allerdings die russische Maiparty verderben.

Nach Beginn einer einseitig von Präsident Wolodymyr Selenskyj ausgerufenen Waffenruhe in der Ukraine ist im nordostukrainischen Gebiet Sumy Behördenangaben zufolge eine Frau bei einem russischen Drohnenangriff getötet worden. Russland habe am Morgen ein ziviles Auto angegriffen, schrieb Militärgouverneur Oleh Hryhorow bei Telegram. Der Fahrer des Wagens sei verletzt ins Krankenhaus gebracht worden, eine Mitfahrerin sei ums Leben gekommen. Die Region Sumy grenzt an Russland und ist stark von den Kampfhandlungen im seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg betroffen. 

Auch den Süden der Ukraine griff Russland erneut an. Am frühen Morgen sei in der südlichen Region Saporischschja "eine Industrieanlage angegriffen" worden, erklärte Regionalgouverneur Iwan Fedorow. Verletzte seien nicht gemeldet worden. Die von Kiew verkündete einseitige Feuerpause war um Mitternacht Ortszeit in Kraft getreten. Von russischer Seite wurden bislang keine ukrainischen Angriffe gemeldet.

Kiew warf Moskau daraufhin vor, die von der Ukraine initiierte Waffenruhe verletzt zu haben. Moskau habe einmal mehr einen realistischen und fairen Aufruf, die Feindseligkeiten zu beenden, ignoriert, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf X. Russische Angriffe mit 108 Drohnen und drei Raketen dauerten ihm zufolge die ganze Nacht an. 

Das zeige, dass Russland Frieden ablehne, argumentierte Sybiha. Er sprach von einem vorgetäuschten Aufruf Russlands zu einer Feuerpause am 9. Mai, die nichts mit Diplomatie zu tun habe. Kremlchef Wladimir Putin interessiere sich nur für Militärparaden, nicht für Menschenleben, schrieb Sybiha. Er forderte mehr Druck auf Russland.

Unterschiedliche Feuerpausen ausgerufen

Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt - jedoch zu unterschiedlichen Terminen: Der Kreml kündigte eine Waffenruhe während der Feierlichkeiten zum 9. Mai zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg an. An dem Tag ist in Moskau die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz geplant.

Kiew kündigte daraufhin eine Feuerpause an, die am 6. Mai in Kraft treten sollte. Sollte sich die russische Seite nicht ebenso daran halten, werde Kiew spiegelbildlich reagieren, warnte Selenskyj. Moskau kommentierte die ukrainische Ankündigung bislang nicht.

Die ukrainische Feuerpause gelte unbefristet, solange Russland nicht angreife, erläuterte in Kiew der Präsidialamtschef Kyrylo Budanow: "Wenn die Waffenruhe gegenseitig eingehalten wird, dann setzen wir diese fort." Das gebe Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden, schrieb er in sozialen Netzwerken.

Trump als Adressat?

Mit ihrem Fernduell um eine Waffenruhe versuchen Selenskyj wie Putin auch, US-Präsident Donald Trump von ihrem Friedenswillen zu überzeugen. Trump und Kremlchef Putin hatten Ende April am Telefon über eine mögliche Waffenruhe zu den Feierlichkeiten zum 9. Mai gesprochen. 

Allerdings hat sich Kiew immer wieder für einen dauerhaften Waffenstillstand ausgesprochen, dem ein Friedensschluss mit Sicherheitsgarantien für die Ukraine folgen soll. Moskau lehnt längere Waffenruhen ab und setzt trotz zunehmender Schwierigkeiten darauf, seine Ziele in der Ukraine durchzusetzen. Bemühungen um eine Friedenslösung liegen auf Eis, auch weil Trump und die US-Führung durch den Iran-Krieg abgelenkt sind.

In dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es schon mehrfach Versuche, die Waffen vorübergehend schweigen zu lassen. Zuletzt wurde eine begrenzte Feuerpause anlässlich des orthodoxen Osterfests ausgerufen. Dabei hielten sich beide Seiten mit weitreichenden Luftangriffen zurück. An der Front am Boden wurde jede Bewegung des Gegners aber weiter mit kleinen Drohnen bekämpft.

Am Dienstag hatte Russland die Ukraine erneut mit heftigen Angriffen überzogen. In verschiedenen Teilen des Landes seien dabei mindestens 27 Menschen getötet und 120 weitere verletzt worden, erklärte der ukrainische Innenminister Ihor Klymenko. Selenskyj warf Russland nach den jüngsten Angriffen "Zynismus" vor, weil der Kreml trotz der angekündigten Waffenruhe "weiter Raketen- und Drohnenangriffe ausführt".

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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