Politik

Kommt "Händler des Todes" frei? Russland verhandlungsbereit über Austausch Griners

Die Verurteilung von Basketballerin Griner bringt Russland in eine gute Verhandlungsposition beim Austausch von in den USA inhaftierten Russen. Spekuliert wird über einen Deal, bei dem Waffenhändler Bout freikommen würde. Erstmals äußert sich Moskaus Regierung zu dem Thema.

Russland ist nach Angaben von Außenminister Sergej Lawrow bereit, mit Washington über einen Gefangenenaustausch der am Donnerstag verurteilten US-Basketballspielerin Brittney Griner zu diskutieren. Moskau sei "bereit, über das Thema zu sprechen", sagte Lawrow auf einer Pressekonferenz bei einem Besuch in Kambodscha. Allerdings müsse dafür ein direkter Kommunikationskanal zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden eingehalten werden, der zwischen beiden vereinbart worden sei.

Über einen Gefangenenaustausch im Fall Griner wird schon seit einiger Zeit spekuliert. Der Verteidigung zufolge wird dieser Schritt nach der Verkündung des Gerichtsurteils auch rechtlich möglich. Biden hatte der Ehefrau Griners im vergangenen Monat versichert, Washington sei mit der Sache beschäftigt.

Für die Freilassung von inhaftierten US-Staatsbürgern - darunter Griner und der ehemalige Soldat Paul Whelan - hätten die USA in Moskau ein seriöses Angebot vorgelegt, sagte US-Außenminister Antony Blinken vergangene Woche. Als Austausch ist die US-Regierung einem Insider zufolge bereit, den verurteilten Waffenhändler Viktor Bout, bekannt als "Händler des Todes", an Russland auszuliefern.

USA: Russland will Tiergarten-Mörder freibekommen

Russland hatte zuletzt Gedankenspiele über einen Gefangenenaustausch nicht kommentiert. Man solle keine Verhandlungen in der Presse führen, sagte der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Die USA gaben jüngst an, Moskau fordere im Gegenzug unter anderem die Freilassung des wegen des Tiergarten-Mordes in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Russen Vadim K.

Griner war am Donnerstag wegen Drogenschmuggels zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht befand die 31-Jährige des Schmuggels und Besitzes einer "erheblichen Menge" an Drogen schuldig, wie die Richterin sagte. Laut dem von einem Gericht im Moskauer Vorort Chimki gefällten Urteil soll Griner die neunjährige Haftstrafe in einer Strafkolonie verbüßen. Außerdem wurde sie zu einer Geldstrafe von einer Million Rubel (rund 16.000 Euro) verurteilt.

Im Februar - kurz vor Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine - wurde sie nach ihrer Ankunft am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen. In ihrem Gepäck waren Kartuschen für E-Zigaretten mit Cannabisöl gefunden worden. Die Menge entsprach nach Angaben der Staatsanwaltschaft weniger als einem Gramm Cannabis in fester Form.

Quelle: ntv.de, jog/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen