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Brittney Griner verurteilt Warum spielt ein US-Basketballstar überhaupt in Russland?

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In Jekaterinburg verdiente Brittney Griner ein Vielfaches von ihrem WNBA-Gehalt.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

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Das Verfahren gegen die US-amerikanische Basketballerin Brittney Griner bewegt nicht nur die Sportwelt. Längst ist ihr Schicksal zum Politikum geworden. Jahrelang verdiente sie auch in Russland ihren Jahresunterhalt. Oder vielmehr musste ihn verdienen. Das wurde ihr zum Verhängnis.

Sie hat schon alles gewonnen: Meisterschaften, olympisches Gold, Weltmeister-Titel. Sie ist eine der besten Basketballerinnen überhaupt. Mit ihren 2,06 Metern kann sie problemlos den Ball in den Ring stopfen. Ihre Art zu spielen, hat den Frauenbasketball revolutioniert. Doch ihre erstaunlichen Fähigkeiten und ihre Beliebtheit bringen Brittney Griner derzeit nicht viel. Sie sitzt in einem russischen Gefängnis. Ein Gericht in der Stadt Chimki hat sie zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Sie muss zudem eine Million Rubel (umgerechnet 16.000 Euro) Strafe zahlen. Der Grund: illegaler Drogenbesitz.

Es klingt wie eine Verkettung unglücklicher Ereignisse, dass diese so erfolgreiche US-Sportlerin ausgerechnet an einem russischen Flughafen mit Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl erwischt wird. Viele mögen sich fragen, warum Griner überhaupt nach Russland gereist ist. Die politischen Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind seit Jahren angespannt und durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine an einem Tiefpunkt.

Doch dass Brittney Griner sich an jenem verhängnisvollen 17. Februar am Flughafen Scheremetjewo befindet, ist kein Zufall. Sie verdient seit Jahren ihren Lebensunterhalt nicht nur in den USA, sondern eben auch in Russland. Beim europäischen Schwergewicht UGMK Jekaterinburg. Auch mit diesem Klub feierte Griner schon so manchen Erfolg. Doch ihr Zweitjob wird ihr zum Verhängnis. Ihre Begründung für die 0,5 Gramm Cannabis in ihrem Gepäck - von ihrem Arzt verschriebene Schmerztherapie - zählt nichts für die russische Justiz. Sie wird schuldig gesprochen.

Doppelte Verpflichtung ist keine Seltenheit

Für Profi-Basketballerinnen, die in der amerikanischen Liga WNBA spielen, ist es nicht unüblich, zusätzlich bei ausländischen Vereinen anzuheuern und sich damit eine weitere Einnahmequelle zu sichern. Lukrative Ligen befinden sich etwa in Russland, der Türkei oder China. So steht auch die derzeit beste deutsche Basketballerin, Satou Sabally, seit 2020 nicht nur bei den Dallas Wings unter Vertrag, sondern auch bei Fenerbahçe Istanbul. In der Saison 2021 verdiente sie in den USA Medienberichten zufolge 71.000 Dollar. Ihr Vertrag läuft bis 2024.

Brittney Griner gehört schon zu den Besserverdienerinnen. Sie erhielt zuletzt das festgeschriebene Höchstgehalt von 227.000 US-Dollar. In Russland kassierte sie laut Medienberichten das Vierfache. Eine ihrer bekannten Weggefährtinnen, die ebenfalls überaus erfolgreiche Sue Bird, verzichtete jüngst auf einen Teil ihres Gehalts und unterschrieb einen Vertrag mit einem Jahreseinkommen von 72.141 US-Dollar.

Mit ihrem Verzicht wollte sie ihrem Team helfen, weitere gute Spielerinnen zu bezahlen, so die fünffache (!) Olympia-Siegerin. "Am Ende des Tages ist es mir wichtiger, zu gewinnen und in einem guten Team zu sein. Und wenn das bedeutet, dass wir Geld brauchen, um andere Spielerinnen zu bekommen, dann bin ich dabei. Das war ich in den letzten drei Spielzeiten auch", wird sie von ESPN zitiert.

Das Gehalt soll wenigstens sechsstellig sein

Die Saison der Frauen in den USA ist relativ kurz. Sie begann in diesem Jahr im Mai und wird voraussichtlich im September ihr Ende finden. Lediglich 36 Spiele sind in der regulären Saison eingeplant, dazu kommen noch die Playoffs. Zum Vergleich: In der NBA stehen die männlichen Profis mehr als 80-mal auf dem Court, ehe die Playoffs beginnen.

Während das Durchschnittsgehalt für einen NBA-Spieler 2019 bei 7,5 Millionen US-Dollar lag, waren es bei den Frauen 116.000 Dollar. In der männlichen Liga wurde übrigens vor kurzem ein Superdeal mit dem MVP (wertvollstem Spieler) der abgelaufenen Saison, Nikola Jokic, abgeschlossen. Seine Fünf-Jahre-Verlängerung bei den Denver Nuggets bringt ihm 264 Millionen US-Dollar ein. Ein neuer Spitzenwert in der NBA. Solche Summen waren bislang vor allem aus dem Fußball bekannt.

Anfang 2020 einigten sich Liga und Spielerinnen-Vereinigung auf eine Anhebung der Gehälter in der WNBA in dem Zeitraum bis 2027. Top-Spielerinnen sollen neben Zugeständnissen und Prämien unter anderem rund 500.000 Dollar im Jahr erhalten können. Das durchschnittliche Gehalt soll zudem erstmals sechsstellig sein - sowohl für Rookies als auch erfahrenere Spielerinnen.

"Meine Karriere ist mein ganzes Leben"

Dass sich Sportlerinnen immer wieder für gerechtere Bezahlungen einsetzen müssen, ist kein neues Phänomen. Diese Debatte betrifft etwa auch den Frauen-Fußball in Deutschland. Ein direkter Vergleich mit ihren männlichen Counterparts ist dabei oft schwierig. In vielen Sportarten sind etwa die Einschaltquoten und damit Werbeeinnahmen der Männer höher. Oftmals haben die Ligen eine viel längere Tradition und ein entsprechend höheres Standing. Zum Vergleich: Die NBA wurde 1946 gegründet, die WNBA 1996.

Dabei geht es den Frauen gar nicht darum, die gleichen, exorbitant hohen Summen wie Männer zu verdienen. Aber immerhin den gleichen Anteil an den Einnahmen. Doch davon sind die meisten Sportarten noch weit entfernt. Das betrifft auch die Anerkennung von herausragenden Leistungen, unabhängig vom Monetären. Und klar ist, dass Profi-Basketballerinnen in den USA nicht arm sind. Neben ihrem Gehalt können sie auch Werbeverträge abschließen oder anderweitig Geld verdienen. Aber ob sich die durchschnittliche Spielerin damit ein komfortables finanzielles Polster für die Zeit nach ihrer Karriere anlegen kann, ist fraglich.

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Fakt ist aber auch, dass die doppelte Belastung durch das Spielen in zwei Ligen Spielerinnen an ihre physischen Grenzen bringt. Die Verletzungsgefahr bei einer Dauerbelastung ist entsprechend höher. Das betont auch Brittney Griner. "Meine Karriere ist mein ganzes Leben", sagte sie zuletzt während des Prozesses in Chimki. "Ich habe alles eingesetzt - Zeit, meinen Körper, Zeit weg von meiner Familie. Ich war sechs Monate im Jahr von allen weg, und das mit einem riesigen Zeitunterschied."

Und das ist nicht alles: Als queere und Schwarze Person jedes Jahr in ein Land zu reisen, in dem Homofeindlichkeit zur Staatsräson gehört, ist an sich schon schwer. Jetzt könnte sie - wenn kein Gefangenenaustausch verhandelt wird - jahrelang im Gefängnis sitzen. Ihre Karriere wäre dann vermutlich vorbei.

Quelle: ntv.de

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