Politik

Giftanschlag auf Ex-Spion Russland weist britische Diplomaten aus

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Wie viele Diplomaten betroffen sind, sagte Lawrow nicht.

(Foto: picture alliance / Pavel Golovki)

Auf die Ausweisung von Diplomaten aus Großbritannien reagiert Russland mit ähnlichen Schritten. Moskau will auf die britische Regierung "maximalen Druck" ausüben. In London sickern derweil neue Ermittlungsergebnisse durch, die den Verdacht erhärten.

Als Reaktion auf britische Sanktionen in der Affäre um den Nervengift-Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal will Russland britische Diplomaten ausweisen. Außenminister Sergej Lawrow sagte, Russland werde diesen Schritt gehen. "Klar, werden wir" antwortete Lawrow auf die Frage eines Journalisten im kasachischen Astana. Der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, kündigte an, sein Land werde "maximalen Druck" auf die britische Regierung ausüben.

Die russische Regierung baut bei den Ermittlungen auf eine mögliche Aussage des Opfers. "Warum fragen wir nicht einfach den Betroffenen selbst, wenn es ihm hoffentlich besser geht", sagte Lawrow. "Wahrscheinlich kann er am ehesten Aufschluss über vieles geben, was an jenem Tag passiert ist, als die Tragödie geschah."

Gift wohl noch in Moskau versteckt

Die britische Zeitung "The Telegraph" berichtete, das bei der Attacke verwendete Nervengift sei in dem Koffer von Skripals Tochter Julia versteckt worden, bevor diese Moskau verlassen habe. Die Behörden gingen davon aus, dass ein Kleidungsstück, ein Kosmetikartikel oder ein Geschenk damit imprägniert worden seien. Die beiden Opfer seien womöglich in Skripals Haus im südenglischen Salisbury damit in Kontakt gekommen, hieß es unter Berufung auf nicht näher beschriebene Quellen.

Nach Auskunft der Polizei war Julia Skripal am 3. März von Russland nach London geflogen. Tags darauf wurden die 33-Jährige und ihr 66-jähriger Vater bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in Salisbury aufgefunden. Sie befinden sich seitdem in kritischem Zustand in einem Krankenhaus.

Westliche Staaten fordern Aufklärung

Die britische Regierung hatte am Mittwoch unter anderem angeordnet, dass 23 russische Diplomaten das Land binnen einer Woche verlassen müssen. Sie verdächtigt Russland, am Giftanschlag auf Ex-Spion Skripal und dessen Tochter beteiligt gewesen zu sein.

Die Staats- und Regierungschefs von den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland forderten am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme Russland auf, "zu allen Fragen Stellung zu nehmen", die mit dem Anschlag im britischen Salisbury verbunden seien. Denn Russland trage mit "hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung".

Der Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter waren am 4. März vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Auf sie war ein Attentat mit einem extrem gefährlichen Nervengift verübt worden, das in der früheren Sowjetunion produziert worden war. Skripal hatte Dutzende russische Agenten an den britischen Geheimdienst verraten, bevor er 2004 im Moskau inhaftiert wurde. 2006 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 fand er dann in Großbritannien Zuflucht, nachdem er im Austausch gegen russische Spione auf freien Fuß kam. Großbritannien beschuldigt Russland, hinter dem Anschlag zu stecken. Russland weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Quelle: n-tv.de, uzh/rts

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