Politik

Für Atomstrom soll Kiew zahlen Russlands Vize beansprucht Saporischschja

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Sieht die Gebiete Saporischschja und Cherson als Teil "unserer einträchtigen russischen Familie": Russlands Vize Premier Chusnullin.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

Die Stadt Saporischschja ist zwar noch unter ukrainischer Kontrolle, doch Russlands Vize-Premier hat bereits Pläne für eine Russifizierung des Gebiets. Das dortige Atomkraftwerk werde weiter Strom für die Ukraine liefern, aber Kiew müsse künftig dafür zahlen, erläutert Chusnullin beim Ortstermin.

Russland will das teilweise eroberte Gebiet Saporischschja in der Südostukraine künftig fest an sich binden. "Ich denke, die Perspektive der Region liegt darin, in unserer einträchtigen russischen Familie zu arbeiten", sagte der russische Vize-Regierungschef Marat Chusnullin laut der Nachrichtenagentur RBK bei einem Besuch in der vom russischen Militär besetzten Kleinstadt Melitopol. Die Gebietshauptstadt Saporischschja selbst wird nach wie vor von ukrainischen Truppen kontrolliert.

Er sei gekommen, um bei der Integration des Gebiets "maximale Hilfe" zu leisten, sagte Chusnullin. Das Gebiet könne bei der Versorgung Russlands mit Baumaterialien helfen, da diese im Land fehlten, meinte der Regierungsbeamte. Zugleich sagte er, das Anfang März von russischen Truppen eroberte Atomkraftwerk von Saporischschja - das leistungsstärkste in ganz Europa - solle die Ukraine künftig nur mit Strom versorgen, wenn diese dafür bezahle.

Kiew: Russifizierung von Cherson wird scheitern

Chusnullin hatte schon am Dienstag bei einem Besuch im westlich von Saporischschja gelegenen Gebiet Cherson Ansprüche auf diese Region erhoben. Cherson werde einen "würdigen Platz in unserer russischen Familie" einnehmen, Chusnullin bei einem Besuch in der Hafenstadt. Man werde künftig zusammen leben und arbeiten, zitierte ihn die russische Agentur Ria Novosti. Russland führte in der Region zum 1. Mai bereits den russischen Rubel als offizielles Zahlungsmittel ein. Der Vizechef der prorussischen Verwaltung von Cherson, Kirill Stremoussow, brachte vor einigen Tagen ein formelles Beitrittsgesuch an Kremlchef Wladimir Putin ins Gespräch. Die ukrainische Regierung zeigte sich überzeugt, dass eine Russifizierung des Gebiets Cherson scheitern werde.

Der Kreml hat bislang als Kriegsziel offiziell nur die "Befreiung" der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk ausgegeben. Allerdings hatte ein russischer Befehlshaber vor einigen Wochen Pläne der Moskauer Militärs offengelegt, sich die gesamte Südukraine einzuverleiben - womit Russland etwa eine Landverbindung zur 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim hätte.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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