Politik

Bewerberinnen um Parteivorsitz SPD-Frauen kritisieren männlichen Politikstil

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Sie wollen die SPD führen (von links nach rechts): Geywitz, Scholz, Esken und Walter-Borjans.

(Foto: dpa)

Am Ende kann nur eine von ihnen den Co-Vorsitz der SPD übernehmen. Doch egal, wer gewinnt, Saskia Esken und Klara Geywitz wollen sich für eine frauen- und familienfreundlichere Politik einsetzen. Die beiden Sozialdemokratinnen prangern nächtliche Sitzungen und verbale Ausfälle an.

Sie treten mit verschiedenen Partnern an, sind sich aber bei einigen grundlegenden Dingen einig: Saskia Esken und Klara Geywitz wollen an der Seite von Norbert Walter-Borjans beziehungsweise Olaf Scholz die Geschicke der SPD bestimmen. Die beiden Bewerberinnen um den Co-Vorsitz der Partei gaben nun in einem gemeinsamen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" an, dass sie die Arbeit in politischen Spitzenämtern frauen- und familienfreundlicher machen wollen.

"Koalitionsausschüsse sollten tagsüber stattfinden", sagte Geywitz. "Ich halte nichts von dieser Show: Mit letzter Kraft haben wir uns um fünf Uhr morgens auf den genialen Kompromiss geeinigt. Erschöpfung als Mittel der Politik - das kommt aus einer anderen Epoche." Die 43-Jährige sagte, sie finde die Idee von einem politikfreien Sonntag sympathisch. "Falls ich gewählt werde, wird sich das ganz praktisch ergeben, weil ich natürlich nicht vorhabe, meine Kinder irgendwo abzugeben und dann 24/7 SPD-Politik zu machen".

Beide Frauen kritisierten in dem Gespräch den auch im 21. Jahrhundert noch männlich geprägten Politikstil. Esken sagte, die verbalen Ausfälle ihr gegenüber seien anders als die Männern gegenüber: "Da unterhält man sich darüber, wie ich überhaupt so aussehe. Ob ich die richtige Körbchengröße habe. Auch im 21. Jahrhundert werden Frauen in der Politik noch anders als Männer behandelt. Was traurig ist", so die Bundestagsabgeordnete. Auf die Frage, ob Frauen an der SPD-Spitze nach Andrea Nahles’ unfreiwilligem Abgang männliche Beschützer brauchten, sagt Esken: "Wir brauchen keine Beschützer."

Soll Scholz Finanzminister und Vizekanzler bleiben?

Wie es im Falle eines Wahlsiegs des Tandems Geywitz/Scholz für den Vizekanzler weitergehen sollte, beantworten die beiden Sozialdemokratinnen unterschiedlich. Geywitz plädierte dafür, dass Scholz seine Regierungsämter behalten sollte: "Um die Partei kümmern heißt ja nicht, dass man möglichst oft im Willy-Brandt-Haus ist." Vielmehr gebe es den Wunsch, das Instrument der Regionalkonferenzen aufrecht zu erhalten.

"Das tut der Partei gut. Der Partei tut es aber auch gut, wenn die Regierung möglichst stark sozialdemokratische Politik macht. Insofern ist es gut, wenn der Vizekanzler ein starkes SPD-Mandat hat", so die brandenburgische Landtagsabgeordnete. Ihre Konkurrentin Esken sah dies anders: "Die Frage ist eher, ob es Olaf Scholz gelingen wird, in der Position des Finanzministers eine sozialdemokratischere Politik zu machen, weil er Parteichef ist".

Noch bis zum 29. November können die SPD-Mitglieder ihre Stimme für die neue Parteispitze abgeben. Auf dem SPD-Bundesparteitag am 6. Dezember in Berlin soll dann das Sieger-Team von den Delegierten endgültig gewählt werden.

Quelle: n-tv.de, fzö