Politik

Wahlkampf ohne Porträtfotos SPD verzichtet auf Schattenkabinett

Traditionell stellt der Herausforderer vor einer Wahl ein Team aus möglichen Ministern zusammen, die ihn im Wahlkampf unterstützen und Kompetenz in allen wichtigen Bereichen signalisieren. Die SPD meint, mit Martin Schulz brauche sie das nicht.

Die SPD will im Wahlkampf ganz auf den Kanzlerkandidaten Martin Schulz setzen. "Es wird kein Kompetenzteam im klassischen Sinne geben. Martin Schulz ist unsere Nummer eins", sagte der neue SPD-Generalsekretär Hubertus Heil der "Passauer Neuen Presse". Die SPD habe neben dem Spitzenkandidaten "viele Frauen und Männer, die glaubwürdig und kompetent für Themen stehen und die alle Martin Schulz unterstützen werden". Aber das müsse man nicht unbedingt gleich "mit Porträtfotos" abbilden.

Vor der Bundestagswahl 2013 hatte der damalige sozialdemokratische Kanzlerkandidat und Oppositionsführer Peer Steinbrück im Wahlkampf auf ein Kompetenzteam, ähnlich einem Schattenkabinett, gesetzt. Diesmal ist die SPD allerdings nicht in der Opposition, ihre Minister sind als Amtsinhaber in die Kabinettsdisziplin der Großen Koalition eingebunden.

Heil ist erst vor wenigen Tagen im Zuge eines mehrfachen Personalwechsels in der Parteiführung in das Amt des Generalsekretärs zurückgekehrt und soll im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen. Bei den Sozialdemokraten war das Personalkarussell in Gang gekommen, nachdem Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering wegen einer Krebserkrankung seinen Rückzug angekündigt hatte. Nachfolgerin in Schwerin soll Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig werden, deren Posten die bisherige SPD-Generalsekretärin Katarina Barley übernehmen soll. Heil folgt auf Barley.

Heils Aufgabe ist herausfordernd: Nach drei verlorenen Landtagswahlen und dem Abrutschen in den Umfragen auf 25 Prozent steht die SPD unter Druck. Eine thematische Wende im Wahlkampf soll es allerdings nicht geben Dieser sei im Grunde schon angelegt und organisiert, sagte SPD-Bundestagsfraktionschef Thomas Oppermann. "Hubertus Heil wird zuspitzen in dieser Situation. Selbstverständlich müssen wir die Alternativen zur Union ganz klar herausarbeiten", sagte der SPD-Fraktionschef.

Quelle: ntv.de, vck/dpa