Politik

Umstrittener Königssohn Saudi-Arabien bekommt neuen Kronprinzen

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Mohammed bin Salman gilt mit 31 Jahren als starker Mann Saudi-Arabiens und als Schrecken der internationalen Partner, ebenso wie der der Feinde des Königreichs. Nun steht fest, dass er im Falle des Todes seines 81-jährigen Vaters den Thron besteigen soll.

Saudi-Arabiens König Salman hat seinen erst 31 Jahre alten Sohn Mohammed bin Salman zum neuen Kronprinzen des Landes erklärt. Damit ist der bisherige stellvertretende Kronprinz zugleich Thronfolger in Riad. Mohammed bin Salman ersetzt Mohammed bin Naif, der bislang die Stellung als erster Erbe der Thronfolge innehatte. Dies geht aus einem königlichen Erlass vor, den die staatliche Nachrichtenagentur Spa veröffentlichte.

Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend: Mohammed bin Salman wurde von seinem Vater seit dessen Thronbesteigung 2015 in Stellung gebracht und ist seit geraumer Zeit zum Gesicht des ölreichen Landes geworden. So vertrat "MBS", von der heimischen Presse stets beklatscht, König Salman bei wichtigen Reisen wie einem Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump. Der neue Kronprinz gilt als bestens mit den USA vernetzt. Als Hindernis für seine Thronbesteigung wurde nur sein junges Alter gesehen.

Dem arabischen Nachrichtenkanal Al-Arabija zufolge wurde die Entscheidung des Königs vom Nachfolgeausschuss des Landes mit 31 von 34 Stimmen bestätigt. Die Einführungszeremonie sollte am Mittwochabend gehalten werden. Der bisherige Kronprinz Mohammed bin Naif verliert hingegen auch seine Position als Innenminister.

Mohammed bin Salman ist unter anderem verantwortlich für den wohl ambitioniertesten Wirtschaftsumbau der Gegenwart: Durch das Billionen-Projekt "Vision 2030" soll die Wirtschaft des Landes unabhängig vom Öl werden. Im Zuge dessen steht der 31-Jährige auch für eine vorsichtige Öffnung der ultrakonservativen saudi-arabischen Gesellschaft. Im Rahmen des Projekts sollen auch Frauen im Land gefördert werden. Zudem soll es mehr Unterhaltungsangebote geben. Bald soll in Saudi-Arabien etwa ein erstes Kino eröffnet werden.

Zugleich ist er auch Verteidigungsminister und gilt als Architekt des neuen, aggressiven außenpolitischen Kurses des Königreichs, zu dem der Krieg im Nachbarland Jemen ebenso gehört wie die Konfrontation mit dem Iran und zuletzt die Eskalation des Streits mit den kleinen Emirat Katar. In einer aufsehenerregenden Analyse hatte der Bundesnachrichtendienst bereits 2015 vor unvorhersehbaren Konsequenzen einer auf persönliche Profilierung ausgerichteten, unberechenbaren Politik des unerfahrenen Prinzen gewarnt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/AFP

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