Politik

Neuer Anführer von Al-Kaida? Saudi-Arabien bürgert Bin-Laden-Sohn aus

117766672.jpg

Hamsa bin Laden könnte eine Führungsposition bei Al-Kaida einnehmen, vermuten Experten.

(Foto: dpa)

Die USA setzen ein Kopfgeld auf ihn aus, die Vereinten Nationen frieren seine Konten ein und sein Heimatland Saudi-Arabien entzieht ihm seinen Pass: Hamsa bin Laden, Sohn des Al-Kaida-Gründers, gilt als möglicher neuer Anführer des Dschihadismus.

Saudi-Arabien hat dem Sohn des früheren Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden die Staatsangehörigkeit entzogen. Das berichtete die saudische Zeitung Okaz mit Verweis auf das staatliche Amtsblatt Umm al-Kura. Demnach hatte das saudische Innenministerium Hamsa bin Laden bereits Mitte Februar per Dekret die Staatsangehörigkeit entzogen.

Zuvor hatten die USA am Donnerstag eine Belohnung von einer Million Dollar (880.000 Euro) für Hinweise auf den Aufenthaltsort von Hamsa bin Laden ausgesetzt. Die Belohnung werde für Hinweise gezahlt, die zum Aufspüren Hamsa bin Ladens führten, erklärte das US-Außenministerium in Washington.

Hamsa bin Laden habe sich "zu einem der Anführer" des Terrornetzwerks Al-Kaida entwickelt, hieß es weiter. Er habe seit August 2015 in mehreren Botschaften im Internet zu Anschlägen gegen die USA und westliche Verbündete aufgerufen, hieß es. Hamsa bin Laden war bereits Anfang 2017 auf die Terrorliste der USA gesetzt worden. Seinem Vater Osama bin Laden war 1994 die saudische Staatsbürgerschaft entzogen worden.

Konten eingefroren und Reiseverbot

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, wonach Hamsa bin Laden sich in Pakistan, Afghanistan, Syrien oder dem Iran versteckt halte. US-Geheimdienste sehen ihn als eine aufsteigende Größe des globalen Dschihadismus.

Das Sanktionskomitee der Vereinten Nationen setzte Hamsa bin Laden derweil am Donnerstag auf ihre Sanktionsliste. Damit werden seine Konten eingefroren und der bald 30-Jährige wird mit einem Reiseverbot belegt.

Hamsa Osama Mohammed bin Laden wurde nach UN-Angaben am 9. Mai 1989 in Dschiddah geboren. Er sei vom derzeitigen Al-Kaida-Führer Aiman al-Sawahiri im August 2015 offiziell in die Reihen von Al Kaida aufgenommen worden und werde als al-Sawahiris voraussichtlicher Nachfolger angesehen, erklärte die UNO. Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden war 2011 von US-Sondereinsatzkräften in seinem Versteck in Pakistan aufgespürt und getötet worden. Hamsa bin Laden ist das 15. von etwa 20 Kindern bin Ladens und Sohn von dessen dritter Frau.

Mit Tochter von Mohammed Atta verheiratet

In den vergangenen Jahren tauchte Hamsa bin Laden verstärkt in der Al-Kaida-Propaganda auf. So verbreitete das Terrornetzwerk zum 16. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 eine Fotomontage, die die Gesichter von Osama und Hamsa bin Laden in den Flammen des New Yorker World Trade Centers zeigt.

Einer seiner Halbbrüder sagte im vergangenen Jahr der britischen Zeitung "Guardian", Hamsa bin Laden lebe möglicherweise in Afghanistan. Er sei mit der Tochter von Mohammed Atta verheiratet, dem Chef der Hamburger Terrorzelle. Atta war einer der Flugzeug-Attentäter vom 11. September 2001.

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Terror-Abwehrzentrums der US-Militärakademie West Point warnte der Experte Ali Soufan, Hamsa bin Laden werde darauf vorbereitet, "eine Führungsrolle in der von seinem Vater gegründeten Organisation einzunehmen". Angesichts des erwarteten Zusammenbruchs des von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ausgerufenen "Kalifats" in Syrien und im Irak habe Hamsa die besten Voraussetzungen, "die weltweite dschihadistische Bewegung zu einen".

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

Mehr zum Thema