Politik
Proteste gegen Hinrichtungen in Saudi-Arabien
Proteste gegen Hinrichtungen in Saudi-Arabien(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 26. April 2018

Seit Jahresbeginn: Saudi-Arabien richtet 48 Menschen hin

Drogendelikte können in Saudi-Arabien mit dem Tod bestraft werden. Menschenrechtler fordern ein Umdenken des Staates und eine Reduktion der Hinrichtungszahlen. An eine komplette Aussetzung der Todesstafe ist aber nicht zu denken.

In Saudi-Arabien sind der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge in diesem Jahr bereits 48 Menschen hingerichtet worden. Die Hälfte von ihnen sei wegen nicht gewalttätiger Drogendelikte getötet worden, teilte die Organisation mit. Viele weitere wegen Drogenvergehen verurteilte Menschen säßen in Todeszellen.

Kronprinz Mohammad bin Salman hatte dem "Time Magazin" noch Anfang des Monats gesagt, die saudischen Behörden wollten die Zahl der Hinrichtungen reduzieren, wie HRW weiter berichtete. Es werde in Betracht gezogen, die Strafen in einigen Fällen in lebenslange Haft umzuwandeln. Das gelte allerdings nicht für Mörder.

HRW-Nahost-Direktorin Sarah Leah Whitson sagte, es sei schlimm genug, dass Saudi-Arabien so viele Menschen hinrichte, viele von ihnen hätten keine Gewaltverbrechen begangen. "Jeder Plan, Hinrichtungen wegen Drogenvergehen zu begrenzen, muss Verbesserungen in einem Justizsystem beinhalten, das keine gerechten Gerichtsverfahren vorsieht." Seit Anfang 2014 hat Saudi-Arabien laut HRW fast 600 Exekutionen durchgeführt, mehr als 200 wegen Drogenvergehen. Die meisten Menschen wurden wegen Mord hingerichtet, einige andere auch wegen Vergewaltigung, Inzest, Terrorismus und Hexerei.

Das ultrakonservative Land ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Auslegung des Islams. Allerdings vollzieht Kronprinz bin Salman momentan ein Modernisierungsprogramm in dem Staat. Der Prinz hatte nach seiner Ernennung im Juni vergangenen Jahres einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformkurs angekündigt. In den vergangenen Monaten entschied die Regierung, Kinos zu öffnen, das Autofahrverbot für Frauen aufzuheben, zudem dürfen Frauen inzwischen Fußballspiele in Stadien besuchen. Den religiösen Führern im Land sind die Reformen ein Dorn im Auge.

Quelle: n-tv.de