Politik

Erinnerung an NS-Verbrechen Schäuble warnt vor neuem Antisemitismus

Anlässlich einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus wendet sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mit einem Appell an die Bevölkerung. Jegliche Form des Antisemitismus müsse vor allem im Alltag bekämpft werden.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat alle Bürger dazu aufgerufen, sich gegen Antisemitismus und Rassismus einzusetzen. Es gebe in der Gesellschaft noch immer "gefährliche Stereotype und Vorurteile, Ausgrenzung und Diskriminierung, Antisemitismus", sagte der CDU-Politiker bei einer Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus. Beides, der "alte" und der "neue zugewanderte" Antisemitismus seien inakzeptabel, "erst recht in Deutschland".

Schäuble nannte es beschämend, dass Juden heute wieder mit dem Gedanken spielten auszuwandern, "weil sie sich in unserem Land nicht sicher fühlen", weil sie angefeindet oder gar tätlich angegriffen würden, weil ihre Kinder in der Schule angepöbelt oder gemobbt würden. "Aber Scham allein reicht nicht." Der Bundestagspräsident fügte hinzu, neben der Härte der Gesetze brauche es vor allem im Alltag "unsere Gegenwehr gegen Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung aller Art".

Die Gedenkrede hielt anschließend der israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Saul Friedländer. Er appellierte an Deutschland, sich weltweit wachsendem Fremdenhass und Nationalismus entgegenzustellen. "Wir alle hoffen, dass Sie die moralische Standfestigkeit besitzen, weiterhin für Toleranz und Inklusivität, Menschlichkeit und Freiheit, kurzum für die wahre Demokratie zu kämpfen", sagte er.

"Antisemitismus ist nur eine der Geißeln, von denen jetzt eine Nation nach der anderen schleichend befallen wird", sagte Friedländer. "Der Fremdenhass, die Verlockung autoritärer Herrschaftspraktiken und insbesondere ein sich immer weiter verschärfender Nationalismus sind überall auf der Welt in Besorgnis erregender Weise auf dem Vormarsch."

Als er gebeten worden sei, vor dem Bundestag zu sprechen, habe er zunächst gezögert, sagte Friedländer, dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden und der als Junge in einem katholischen Internat in Frankreich überlebte. Er habe dann aber angenommen. "Warum? Weil ich wie viele Menschen weltweit im heutigen Deutschland ein von Grund auf verändertes Deutschland sehe. Denn dank seiner langjährigen Wandlung seit dem Krieg ist Deutschland eines der starken Bollwerke gegen die Gefahren geworden, die ich soeben erwähnt habe."

Anlass der Gedenkstunde im Bundestag ist der 74. Jahrestag der Befreiung des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Die Rote Armee hatte dort am 27. Januar 1945 die Überlebenden befreit.

Quelle: n-tv.de, psa/AFP

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